VelutinaFinder.de

Wochenrückblick · 2026, Kalenderwoche 38

Nationalplan in Frankreich, 1.500 Nester in Limburg, erste Fundmeldung im Harz

Wochenrückblick für die Woche vom 14. bis 20. September 2026 (KW 38)

Die Woche als Sendung. Alle Ausgaben unter Sendung.

In unserer Datenbank stehen diese Woche 3.230 Sichtungen, 518 davon aus Deutschland. Ein direkter Vergleich mit der Vorwoche ist nicht belastbar: In dieser Woche fehlten die GBIF-Meldungen, die Datengrundlage hat sich also geändert. Auf vergleichbarer Grundlage, ohne diese Quelle gerechnet, liegt die Zahl um zehn Prozent unter der Vorwoche. Das täuscht allerdings kaum über das hinweg, was die 88 ausgewerteten Presseberichte aus sieben Ländern in dieser Woche zeigen: Frankreich hat seinen nationalen Bekämpfungsplan verabschiedet, die niederländische Provinz Limburg meldet fast 1.500 entfernte Nester, und aus dem Harz kommt die erste Fundmeldung für Sachsen-Anhalt. Dazu kommt eine Laborstudie, die zeigt, in welchem Alter velutina-Arbeiterinnen welche Aufgaben übernehmen.

Die Woche

Frankreich bekommt einen Plan, und gleich die erste Kritik

Das Thema der Woche kommt aus Frankreich, und es dominiert die dortige Presse so klar wie selten: 29 der 88 erfassten Meldungen stammen aus Frankreich, ein großer Teil davon zum nationalen Bekämpfungsplan gegen die Asiatische Hornisse, der am 16. September offiziell verabschiedet wurde. La Gazette des Communes, Actu-Environnement, TF1 Info, 20 Minutes und Portail Réussir berichten übereinstimmend von der Annahme des „plan national de lutte contre le frelon asiatique à pattes jaunes“. France 3 Régions nennt eine Ausstattung von drei Millionen Euro und zitiert die Ankündigung einer „wirksameren und gezielteren Bekämpfung“; Presse Agence und Planet.fr führen die gleiche Summe.

Wie der Plan aufgebaut ist, beschreibt das niederländische Portal frankrijkactueel.nl: vier Stufen und ein neuer Ansatz. Auch die englischsprachige connexionfrance.com nimmt sich der Frage an, was der Plan „in der Praxis“ bedeutet. Unwidersprochen bleibt er nicht: Media24.fr schreibt, Frankreich reagiere „endlich“, sieht aber fünf blinde Flecken, die den Aufwand bremsen könnten. Für uns ist das der interessanteste Punkt an der Sache: nach Jahren regionaler Einzelinitiativen wird erstmals ein landesweiter Rahmen gesetzt. Wie tragfähig die Finanzierung ist, wird sich an der Umsetzung zeigen.

Parallel läuft die Aufklärungsarbeit weiter: Ouest-France fragt mit Blick auf das Ende der Hitzewellen nach einem „möglichen Comeback“ der Art, lechasseurfrancais.com und Chasse Passion greifen den Plan aus Jägerperspektive auf, das Elsass lädt laut Collectivité européenne d'Alsace und dna.fr zu Informationstagen in Colmar, und laut lalsace.fr organisiert sich nach dem Haut-Rhin nun auch der Bas-Rhin. Der leprogres.fr lässt Imker zu Wort kommen, die von doppelter Belastung berichten: Druck durch die Hornisse und Trockenheit.

Die Zahl der Woche kommt aus Limburg

De Limburger meldet, die Provinz Limburg habe von allen niederländischen Provinzen die meisten Nester entfernt: knapp 1.500. Das ist die Zahl, an der sich in dieser Woche am besten ablesen lässt, in welcher Phase die Niederlande stecken, nicht mehr Einzelfunde, sondern Flächenbekämpfung. Fast gleichzeitig zeigt sich die Kehrseite: In Nieuwegein stellt die Provinz laut De Digitale Stad Nieuwegein ihre Beteiligung ein, die Kommune muss selbst ran. Wer bezahlt und wer entfernt, ist damit auch dort die offene Frage.

Zugleich wächst die Rolle organisierter Zusammenarbeit. In Herk-de-Stad bekämpfen laut HBVL sowohl eine Spezialfirma als auch die Feuerwehr Nester, in Pajottenland und Zennevallei arbeiten Feuerwehr und Imker nach HLN zusammen, und in der Betuwe rufen Imker über hetkontakt.nl zur Mithilfe auf. Aus Sterksel meldet Omroep Brabant das erste Nest im Ort, aus Borne meldet Borne Boeit, dass noch genau ein Nest zu finden sei: ein Satz, der zeigt, wie kleinteilig dort inzwischen gearbeitet wird. Praktisch zum Mitschreiben ist der Hinweis aus Ostende: Die Stadt bittet laut VRT jetzt um Nestmeldungen, weil die Bäume kahl werden. Genau dieses Zeitfenster (Laubfall vor Wintereinbruch) dürfte auch bei uns die nächsten Wochen bestimmen.

Wie und wo Sie einen Verdacht melden

Deutschland: neue Landkreise, neue Bundesländer, offene Kostenfrage

Die deutschen Meldungen dieser Woche lesen sich wie eine Landkarte der Ausbreitungsfront. Volksstimme berichtet über einen Fund im Harz und spricht von der invasiven Art in Sachsen-Anhalt, DIE HARKE schreibt, die Asiatische Hornisse „erobert“ den Landkreis Nienburg, der Soester Anzeiger meldet eine Ausbreitung in Soest mit einer auffälligen Straße, und die WAZ zitiert die Einschätzung, Mülheim sei „ein Hotspot in NRW“. Der SWR berichtet über weitere Ausbreitung im Südwesten, NN.de über einen Stadtförster in Fürth, der die Bevölkerung um Mithilfe bittet, und die Stadt Kaiserslautern stellt eigene Informationen online. Aus Bünde berichtet die Neue Westfälische von Imkern, die eine große Bedrohung für ihre Bienen sehen.

Zwei Berichte greifen die Kostenseite auf: Mittelhessen fragt für Herborn, was der Kampf gegen die Asiatische Hornisse kostet, und beschreibt aus Weilburg eine spektakuläre Nestentfernung. WELT titelt, die Art sei kaum zu stoppen, und nennt ein Kopfgeld von 200 Euro pro Königin: ohne Volltext lässt sich nicht sagen, wo und in welchem Rahmen. Einheitlich ist die behördliche Linie bei der Eigeninitiative: ka-news.de fasst zusammen, warum Nester nicht selbst entfernt werden sollten, ebenso monjardinmamaison.maison-travaux.fr für Frankreich und Away, IOL für Portugal. Aus Spanien betont der Schädlingsexperte Manuel García Howlett laut La Vanguardia, das eigenständige Behandeln eines Nests sei das eigentlich Gefährliche, Hausmittel seien zu meiden.

Bemerkenswert ist der Vorlauf in Österreich: top agrar meldet die Ausbreitung im Land, Tips.at und MeinBezirk.at berichten, die Art rücke näher an Oberösterreich, das mit einer Praxisübung in Lochen am See vorbereitet. In der Schweiz meldet toggenburg24.ch eine Sichtung in Mosnang, die NZZ beschreibt, wie Schweizer Imker mit technischer Unterstützung nach Nestern suchen.

Meldepflicht und Zuständigkeiten im Überblick

Nester orten: Verfahren und Grenzen

Britische Inseln: Nesterfolge durch Hinweise aus der Bevölkerung

Auf den Kanalinseln zeigt sich, was systematisches Nachverfolgen bringt. Island FM meldet 14 Sekundärnester in Guernsey, die BBC schreibt, Hinweise aus der Bevölkerung hätten geholfen, diese Nester aufzuspüren. In Jersey wurde laut The Times Jersey ein Spielplatz im Millennium Park während einer Nestentfernung gesperrt. Auf dem Festland führte eine Suchaktion in Oldham nach BBC zu einem Nestfund, und eine weitere BBC-Meldung spricht vom „ersten Nest der Insel“, das Suchteams lokalisiert haben. Nordirlands Behörde DAERA erneuert laut 4ni ihren Aufruf zur Wachsamkeit, und die BBC berichtet zum Wochenende von verbreiteter Besorgnis über die Ausbreitung. Das Muster ist überall dasselbe: Meldungen aus der Bevölkerung, dann gezieltes Nachverfolgen bis zum Nest.

Südwesteuropa: die Bilanz nach vielen Jahren

Wie die Lage aussieht, wenn die Art lange etabliert ist, zeigen die spanischen und portugiesischen Meldungen. La Opinión de Málaga berichtet von schweren Einbußen in der malagenischen Imkerei und nennt bis zu 55 Prozent weniger; der in Vozpopuli zitierte Experte spricht davon, die Vespa velutina habe in vielen Gebieten Spaniens wahrscheinlich einen Punkt ohne Rückkehr überschritten. In Aragón kritisiert UAGA-COAG laut Diario del Alto Aragón den regionalen Plan mit dem Argument, Imker könnten kein kostenloser Dienstleister sein: ein Einwand, der zu den Finanzierungsfragen in Frankreich und den Niederlanden passt. Aus Monforte meldet El Progreso de Lugo, die Entfernung eines Nests werde dringend gefordert, nachdem ein Mann gestochen wurde. In Portugal warnt ein Arzt in Jornal de Notícias und Notícias de Coimbra, vor einer schweren Reaktion gebe es „immer eine erste Warnung“; Plataforma Media greift das auf. In Braga zerstörten Feuerwehrleute nach e24.pt drei Nester am Verwaltungsgericht, in Genua wurde laut Liguria Oggi ein Bodennest nahe der Gaslini-Klinik gefunden.

Bienenstand im Herbst: was Behörden und Untersuchungen empfehlen

Aus der Forschung

Ein Hinweis zur eigenen Statistik vorweg: In der Tabelle am Ende dieses Rückblicks steht bei den Fachveröffentlichungen eine Null, obwohl uns für diesen Zeitraum eine Arbeit vorlag. Diese Lücke in unserer Zählung lösen wir nicht stillschweigend auf, sondern weisen beides aus.

Altersabhängige Arbeitsteilung bei Vespa velutina nigrithorax

Dongeui Hong, Gard W. Otis und Chuleui Jung haben in Insects (9. September 2026, DOI 10.3390/insects17090943) eine Laborstudie zur zeitlichen Arbeitsteilung („temporal polyethism“) bei Vespa velutina nigrithorax veröffentlicht. Beobachtet wurde eine Kolonie unter kontrollierten Bedingungen bei 26 °C und 60 Prozent relativer Luftfeuchte. Die Arbeiterinnen wurden in Kohorten von jeweils fünf Tagen eingeteilt und bei fünf Aufgaben verfolgt: Nesthygiene, Beutesuche samt Bearbeitung des ersten Fleischpellets, Bearbeitung des zweiten Pellets, Brutfütterung und Sammeln von Nestbaumaterial.

Die Ergebnisse: Der Schlupf erfolgte in drei synchronisierten Kohorten. Im Mittel wechselten die Arbeiterinnen nach 6,3 ± 0,9 Tagen zu Aufgaben außerhalb des Nests. Jüngere Tiere übernahmen Hygiene und die Bearbeitung des zweiten Pellets, Tiere mittleren Alters spezialisierten sich auf Beutesuche und die Formung des ersten Pellets, ältere Arbeiterinnen sammelten zunehmend Nestbaumaterial. Brutfütterung war bei allen Altersgruppen zu beobachten. Wurde das zweite Pellet gemeinsam bearbeitet, verkürzte sich die Bearbeitungszeit gegenüber dem ersten Pellet. Von fünf angebotenen Baumaterialien wurden Hüllen von Hornissennestern und Baumrinde am häufigsten eingesammelt. Eine multiple Korrespondenzanalyse mit Clusterbildung ergab abgrenzbare, aber überlappende Aufgabenprofile: Die Autoren sprechen von Flexibilität statt einer starren Abfolge.

Was das für uns heißt: Die Arbeit erklärt, warum an einem Bienenstand nie „die ganze Kolonie“ jagt, sondern ein Ausschnitt: die Tiere mittleren Alters. Wer Flugbewegungen beobachtet, sieht also eine Teilgruppe, deren Zahl sich mit den Schlupfschüben in Wellen verändern kann: Drei synchronisierte Kohorten im Labor sind ein Hinweis darauf, dass Beobachtungslücken nicht gleich Entwarnung bedeuten. Interessant ist außerdem, dass Tiere schon nach gut sechs Tagen das Nest verlassen: Der Abstand zwischen Nestentwicklung und sichtbarem Jagddruck ist kurz. Der Befund zur Materialsuche (Rinde und alte Nesthüllen) betrifft vor allem die Nestsuche im Gelände, nicht die Arbeit am Stand. Und die Flexibilität der Aufgabenprofile ist die nüchterne Botschaft der Studie: Kolonien kompensieren Ausfälle, was erklärt, warum Teilerfolge am einzelnen Nest wenig an der Gesamtsituation ändern. Es handelt sich um eine einzelne Kolonie unter Laborbedingungen: Die Übertragung auf Freilandverhältnisse bleibt entsprechend vorsichtig zu lesen.

Die Woche in Zahlen

KennzahlWert
Sichtungen europaweit3.352
davon in Deutschland538
eigene Nutzermeldungen4
Presseberichte ausgewertet105
Fachveröffentlichungen0

Quellen: eigene Sichtungsdatenbank (Stand 20.09.2026), 88 Presseberichte aus sieben Ländern (unter anderem lalsace.fr, Ouest-France, La Gazette des Communes, Actu-Environnement, TF1 Info, 20 Minutes, France 3 Régions, Media24.fr, WELT, SWR, WAZ, Volksstimme, DIE HARKE, Soester Anzeiger, NN.de, Mittelhessen, NZZ, ka-news.de, top agrar, Tips.at, MeinBezirk.at, toggenburg24.ch, De Limburger, Omroep Brabant, HBVL, HLN, VRT, hetkontakt.nl, Borne Boeit, frankrijkactueel.nl, BBC, Island FM, The Times Jersey, 4ni, connexionfrance.com, Vozpopuli, La Vanguardia, La Opinión de Málaga, Diario del Alto Aragón, El Progreso de Lugo, Jornal de Notícias, Notícias de Coimbra, Plataforma Media, Away, iOL, e24.pt, Liguria Oggi, Ticinonews) sowie Insects, DOI 10.3390/insects17090943. Zu den Presseberichten lagen uns nur Überschriften und Quellenangaben vor; Einzelheiten darüber hinaus sind nicht wiedergegeben.

Alle Meldungen dieser Woche Weitere Wochen Bericht abonnieren