Elektrische Harfen
Eine Untersuchung fand, dass elektrische Harfen den Jagddruck am Bienenstand senken und die Volksentwicklung entlasten [9].
Wissen · Praxis
Was Untersuchungen belegen, und wo die Behauptungen anfangen. Der Druck erreicht Anfang Oktober sein Maximum.
| Anteil Honigbienen an der Beute | 38,1 % |
|---|---|
| Insektenmasse je Nest und Saison | 11,32 kg |
| Höhepunkt des Drucks | Anfang Oktober |
Quelle: [8], in Städten liegt der Bienenanteil höher.
Zwei Dinge folgen aus diesen Zahlen. Erstens ist die Art kein reiner Bienenjäger: Fliegen machten 29,9 Prozent der Beute aus, soziale Wespen 19,7 Prozent, insgesamt wurden über 159 Arten nachgewiesen [8]. Ein Bienenstand ist für sie vor allem berechenbar. Zweitens liegt der kritische Zeitraum später im Jahr, als viele erwarten. Wer im August nachlässt, verpasst genau die Wochen, in denen es darauf ankommt.
Eine Untersuchung fand, dass elektrische Harfen den Jagddruck am Bienenstand senken und die Volksentwicklung entlasten [9].
Eine Management-Übersicht betont: Starke, gut versorgte Völker überstehen den Druck, schwache erliegen ihm. Blockieren Hornissen den Sammelflug, sollte zugefüttert werden [10].
Behörden nennen das Abkeschern jagender Hornissen vor dem Flugloch als flankierende Maßnahme [1].
Das Umweltbundesamt nennt „Maulkörbe“ am Flugloch als Maßnahme [1], ohne Angabe einer Wirksamkeit. Siehe unten.
Der verbreitetste Irrtum über diese Art ist, dass sie Völker durch das Abfangen von Bienen leerräumt. Die Verluste entstehen anders, und das ändert alles daran, wann man handeln muss.
Nicht das Abfangen kostet das Volk, sondern der Stress. Unter hohem Hornissendruck stellen die Völker die Sammelflüge ein und hören auf zu brüten. Die Fachliteratur nennt das Flugparalyse, das Grundmuster dahinter „Ökologie der Angst“.
Wie stark das wirkt, wurde an westlichen Honigbienen gemessen: Die Eilegerate der Königin sank binnen einer Woche nach Beginn des Befluges um 16 Prozent, nach sechs Wochen lag sie noch bei vier Prozent [24]. Die dort heimische Apis cerana war kaum betroffen, sie kennt die Art seit jeher.
Der höchste Druck fällt in die Zeit, in der ein Volk seine Winterbienen aufzieht. Bleibt der Sammelflug aus, fehlt Pollen, und es entstehen zu wenige und zu schwache Winterbienen. Das Volk stirbt dann nicht im August, sondern im Januar, und die Ursache ist schwer zuzuordnen.
Gemessen wurde dieser Zusammenhang in Ligurien: In Gebieten, in denen die Art nicht kontrolliert wurde, stieg die Wintersterblichkeit um 18 Prozent [22]. Eine Modellrechnung für Frankreich kommt auf 2,6 Prozent Völkerverlust bei geringem und 29,2 Prozent bei hohem Druck [23].
Was daraus folgt: Wer im August nachlässt, verpasst genau die Wochen, auf die es ankommt. Und wer im Winter ein totes Volk findet, sollte den Hornissendruck des Vorsommers in die Ursachensuche einbeziehen, nicht nur Varroa und Futter.
Die Zahlen stammen aus den Gebieten, in denen die Art lange etabliert ist. Sie beschreiben nicht die heutige deutsche Lage, sondern die Größenordnung, um die es geht.
| Nestentfernung in Deutschland, geschätzt | über 5 Mio. Euro im Jahr [24] |
|---|---|
| Nestentfernung in Frankreich | 11,9 Mio. Euro im Jahr [24] |
| Schutzkosten je Imkerei | 5,1 bis 20,5 % des Produktionswertes [24] |
| Landesweiter Schaden Frankreich | 2,8 bis 30,8 Mio. Euro je nach Druck [23] |
Die deutsche Schätzung gilt für den Fall, dass die Art alle klimatisch geeigneten Gebiete besiedelt hat [24]. Sie ist damit keine Prognose für das laufende Jahr, sondern eine Obergrenze für die Planung.
Eine portugiesische Arbeitsgruppe hat 534 Proben aus 38 Nestern untersucht, und zwar Larven, Puppen, erwachsene Tiere und Königinnen, und mit quantitativer PCR auf die wichtigsten Bienenkrankheiten geprüft. In allen Entwicklungsstadien fanden sich Erreger der Honigbiene, allen voran das Flügeldeformations- virus in 70 Prozent der Proben [19].
Was damit noch nicht bewiesen ist: dass die Übertragung tatsächlich stattfindet. Nachgewiesen ist der Erreger im Tier, nicht der Weg zurück in ein gesundes Volk. Für die Praxis bleibt es dennoch ein Grund mehr, die Volksgesundheit im Blick zu behalten, wenn am Stand Jagddruck herrscht.
Köderfallen fangen viele Insekten, die nicht gemeint sind, darunter geschützte Arten. Mehrere Untersuchungen bezweifeln zudem, dass sie die Zahl der Völker spürbar senken [11][12][8].
Eine Untersuchung in Spanien und Italien hat zwei Fragen getrennt beantwortet. Zur Wirksamkeit: Die tägliche Fangrate lag in Italien bei 0,19 Tieren je Falle, in Spanien bei 1,82, also fast beim Zehnfachen. Zur Selektivität: Zwischen den Ködertypen fand sich kein belastbarer Unterschied. Es ist die Bauart, die entscheidet, nicht der Köder [12].
Der praktische Schluss: Eine Plastikflasche mit Zuckerwasser ist die schlechteste aller Möglichkeiten, unabhängig davon, was hineingefüllt wird. Wer fängt, sollte eine Bauart mit Ausflugöffnungen wählen, durch die kleinere Insekten wieder entkommen. Und wer aus geringen Fangzahlen auf geringen Befall schließt, irrt möglicherweise: Die Fangrate hängt stark von Gegend und Jahreszeit ab.
Der Nutzen einer Falle muss gegen den Schaden an anderen Insekten abgewogen werden. Diese Abwägung nehmen wir niemandem ab: Wir geben nur wieder, was die Untersuchungen zeigen.
Warum hier keine Empfehlungen stehen: Wir sind Techniker, keine Imkerei-Fachberatung. Diese Seite gibt wieder, was Behörden und Untersuchungen sagen, mit Quelle. Was daraus für den eigenen Stand folgt, entscheidet die Imkerin und der Imker, im Zweifel mit der Fachberatung des Landesverbands.
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