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Wochenrückblick · 2026, Kalenderwoche 37

Ein Todesfall in Portugal, ein Rückzug im Kreis Heinsberg, zwei Erstnachweise in England

Wochenrückblick 07. bis 13. September 2026 (KW 37)

Die Woche als Sendung. Alle Ausgaben unter Sendung.

Die Zahl der Sichtungen in unserer Datenbank ist gegenüber der Vorwoche um 23 Prozent auf 3.427 gefallen, davon 555 in Deutschland. Die Presselage zeigt trotzdem eine Woche mit ungewöhnlich harten Nachrichten: In Portugal starb ein 69-jähriger Mann nach einem Stich in den Kopf, ein deutscher Landkreis erklärte die flächige Bekämpfung offen für gescheitert, und in Südengland wurden binnen zwei Tagen zwei Erstnachweise gemeldet. Gleichzeitig veröffentlichten belgische und niederländische Gemeinden Zwischenbilanzen ihrer Frühjahrsfänge, die zeigen, was organisierte Bürgerbeteiligung an Zahlen produziert. 108 Presseberichte aus sieben Ländern haben wir dafür ausgewertet.

Die Woche

Portugal: ein Todesfall dominiert die Berichterstattung

29 der 108 Meldungen kamen aus Portugal, und die große Mehrheit davon behandelt denselben Vorfall. Nach Berichten von Expresso, RTP, SIC Notícias, Correio da Manhã und Jornal de Notícias starb am 9. September ein 69-jähriger Mann in Felgueiras, nachdem er während der Weinlese von einer Asiatischen Hornisse in den Kopf gestochen worden war. Das Semanário de Felgueiras nennt den Ortsteil Jugueiros, Notícias de Coimbra berichtet über den Verstorbenen namentlich.

Bemerkenswert ist, wie die portugiesischen Medien den Fall anschließend einordnen. CNN Portugal titelt, die Asiatische Hornisse sei nicht giftiger als andere Arten, habe aber eine Eigenschaft, die sie zur gefährlichsten mache; oRegiões greift dieselbe Frage auf. imediato.pt berichtet, ein solcher Todesfall habe stets ein erstes Warnzeichen. Das Now Canal meldet im Zusammenhang mit dem Vorfall, der portugiesische Zivilschutz sei in dieser Saison bereits bei mehr als 540 Nestern eingeschritten. Parallel dazu gab es aus Portugal auch Nachrichten jenseits des Einzelfalls: Observador und vozdocampo.pt berichten über ein mit EU-Geldern finanziertes Projekt zur Tilgung der Art auf den Azoren, und Diário As Beiras meldet, Hornisse und schlechtes Wetter hätten gemeinsam die Honigernte gedrückt.

Für den Umgang mit Stichrisiken am Bienenstand gilt unverändert das, was Behörden und Fachstellen empfehlen, Selbstbekämpfung von Nestern gehört nicht dazu. ka-news schreibt dazu in der Überschrift, warum man Nester niemals selbst entfernen sollte.

Was am Bienenstand zu beachten ist

Deutschland: ein Landkreis zieht sich zurück, München kommt hinzu

Die deutlichste deutsche Meldung der Woche stammt von RP Online: Der Kreis Heinsberg gebe den Kampf gegen die Asiatische Hornisse auf, es sei ein „Spiel auf verlorenem Posten“. Das passt zu der Einschätzung, die WELT wenige Tage später formuliert (die Art sei kaum zu stoppen) und die dort mit einem Kopfgeld von 200 Euro pro Königin illustriert wird. Wie unterschiedlich die Lage regional ist, zeigen die anderen Berichte: In Düsseldorf rückten Teams laut RP Online im Schutzanzug gegen Nester aus, die „wirklich sehr groß“ gewesen seien; die HNA meldet ein 80 Zentimeter großes Nest in Münden; der SauerlandKurier berichtet, Imker im Kreis Olpe rechneten mit noch mehr Nestern. Ein Duisburger Imkerpaar fordert laut NRZ einen Notfallplan, der Fürther Stadtförster bittet laut NN.de um Mithilfe bei der Nestsuche.

Neu ist der Süden: TZ meldet den Nachweis der Asiatischen Hornisse in München, mit dem Hinweis, „übliche Schutzanzüge reichen nicht mehr“; Radio Oberland berichtet, die Art komme dem Oberland damit näher. In Österreich wurde nach 5min.at und dem Kitzbüheler Anzeiger ein Nest in Kössen in Tirol entdeckt und entfernt, Landwirtschaftsminister Totschnig warnte laut Der Standard vor der Gefahr für Bienen und bat die Bevölkerung um Mithilfe. Ökonews betont, frühe Meldungen seien entscheidend.

Meldepflicht und Meldewege

Schweiz: Sichtungen auf unerwartetem Niveau

Aus der Schweiz kommen in dieser Woche drei unabhängige Berichte über eine auffällige Zunahme. Blick schreibt, die Hornisse breite sich in der Schweiz in einem bisher unbekannten Tempo aus, swissinfo.ch spricht von einem Anstieg der Sichtungen landesweit, und tvsvizzera.it berichtet von hunderten Meldungen pro Tag. Die Luzerner Zeitung beschreibt die Situation vor den Fluglöchern, die Solothurner Zeitung begleitet einen „Scout“ bei der Nestsuche im Thal. Watson und bluewin.ch erklären parallel, wie Fachleute die Nester überhaupt auffinden.

Wie Nestortung funktioniert

Großbritannien und Irland: zwei Erstnachweise und Funk am Insekt

In Somerset wurde laut The Telegraph und The Independent erstmals ein Nest der Asiatischen Hornisse gefunden; Somerset Live berichtet von einer Alarmstufe für die Grafschaft. Nahezu gleichzeitig meldeten Isle of Wight Radio und Island Echo das erste Nest auf der Isle of Wight: aufgespürt, so Island Echo, nach dem Foto eines Inselbewohners. Auf Guernsey entfernte das dortige Team nach BBC und Guernsey Press das größte Nest der Saison.

Methodisch interessant ist die Technik: Der Swindon Advertiser berichtet, Hornissen würden inzwischen elektronisch markiert, und die Eastern Daily Press fragt, ob Funksender auch zum Auffinden eines Nestes in Norfolk eingesetzt werden könnten. In Nordirland rief die Behörde DAERA nach eigener Mitteilung und laut agriland.ie erneut zur Wachsamkeit auf, der Exmouth Journal mahnt für Devon, jetzt zu handeln.

Frankreich und Benelux: Zahlen aus der Bürgerbeteiligung

Aus Belgien und den Niederlanden kamen in dieser Woche die konkretesten Bilanzen. dhnet.be berichtet, in Mont-Saint-Guibert seien mehr als 800 Gründerköniginnen gefangen worden; Polderke meldet 760 gefangene Königinnen und 35 aufgespürte Nester. Gleichzeitig starten weitere Kampagnen: Soignies setzt das Fangprogramm laut dhnet.be im Herbst fort, in Auderghem und Chapelle werden Bürger zur Mitarbeit aufgerufen, Knokke-Heist bittet nach HLN um Meldungen von Sekundärnestern: ausdrücklich mit dem Hinweis, selbst nichts zu unternehmen. Oostende ruft laut Lokaalnieuws.online zu Meldungen auf, und im niederländischen Katwijk wurde nach Allesoverkatwijk.nl ein sehr großes Nest aus 21 Metern Höhe geholt. In Alkmaar und Zaanstad wurden laut Streekradio Alkmaar und Noordhollands Dagblad jeweils zwei Nester gefunden, bei einer Schule auf Linkeroever nach VRT vier. Streekstad Centraal fasst die politische Seite zusammen: Behörden zögerten noch.

Aus Belgien werden zudem zwei schwere Stichzwischenfälle berichtet, jeweils mit allergischer Reaktion und ärztlicher Notversorgung (rtv.be, HLN). Der Verlust eines ganzen Bestands ist in KW.be geschildert: Ein Imker verliert dort nach eigener Aussage seine letzten Bienen.

In Frankreich läuft die Saison in die entscheidende Phase. France 3 Régions zitiert einen Imker mit „Wir erleben den Tod des Volkes in Echtzeit“ und beschreibt an anderer Stelle das Wettrennen mit der Zeit: Was in diesem Jahr nicht behandelt werde, vervielfache die Präsenz im nächsten. Sciencepost berichtet über Befunde, nach denen das Absterben eines Volkes nicht in erster Linie durch das einzelne Erbeuten von Bienen zustande kommt, sondern ohne dass die Hornisse den Stock betritt. Passion Aquitaine und France 3 Régions beschreiben aus Nouvelle-Aquitaine und der Haute-Vienne Verteidigungsverhalten von Bienen, die Hornissen durch Aufheizen auf 42 °C töten. Actu.fr bilanziert für die Bretagne einen für die Bienen harten Sommer zwischen Trockenheit und Hornisse, modesettravaux.fr veröffentlicht eine Ausbreitungskarte. Und Quidam Hebdo erinnert daran, dass die ersten Schritte der Art in Lot-et-Garonne 22 Jahre zurückliegen.

Was die Zahlen sagen

Der Rückgang von 4.460 auf 3.427 Sichtungen europaweit ist deutlich, sollte aber nicht als Trendwende gelesen werden. Ausbreitungsmeldungen aus der Schweiz, aus Bayern, Tirol und Südengland fallen in dieselbe Woche, und die Presselage in Portugal war stark von einem Einzelereignis geprägt, was Meldeaufkommen und Aufmerksamkeit verschieben kann. Erhebungen aus Bürgermeldungen schwanken mit Wetter, Wochentag und Medienpräsenz. Die 555 deutschen Sichtungen und nur fünf eigene Nutzermeldungen zeigen zugleich, dass die meiste Information über die offiziellen Kanäle läuft.

Sichtung melden

Aus der Forschung

Altersabhängige Arbeitsteilung bei Vespa velutina nigrithorax

Hong, Otis und Jung haben in Insects (DOI 10.3390/insects17090943, veröffentlicht am 9. September 2026) ein Volk der Asiatischen Hornisse unter kontrollierten Laborbedingungen bei 26 °C und 60 Prozent relativer Luftfeuchte beobachtet. Die Arbeiterinnen wurden in Kohorten von je fünf Tagen eingeteilt und bei fünf Tätigkeiten verfolgt: Nesthygiene, Beutejagd samt Verarbeitung des ersten Nahrungsballens, Verarbeitung des zweiten Ballens, Brutfütterung und Sammeln von Nestbaumaterial.

Der Schlupf der Adulten erfolgte in drei synchronisierten Kohorten. Der Übergang zu Aufgaben außerhalb des Nestes begann nach 6,3 ± 0,9 Tagen. Jüngere Tiere übernahmen Hygiene und die Verarbeitung des zweiten Ballens, Arbeiterinnen mittleren Alters spezialisierten sich auf Beutejagd und Bildung des ersten Ballens, ältere sammelten zunehmend Nestbaumaterial. Brutfütterung wurde von Tieren jeden Alters beobachtet. Die gemeinsame Verarbeitung des zweiten Ballens verkürzte die Handhabungsdauer gegenüber dem ersten Ballen. Von fünf angebotenen Materialien nahmen die Tiere am häufigsten Hüllmaterial von Hornissennestern und Baumrinde. Multiple Korrespondenzanalyse und Clusterbildung ergaben unterscheidbare, aber überlappende Aufgabenprofile: Die Autoren sprechen von Flexibilität statt einer festen Abfolge.

Was das für uns heißt: Die Tiere, die an unseren Ständen jagen, sind einem mittleren Altersabschnitt zuzuordnen, sie sind nicht das ganze Volk, sondern ein Teil davon. Wer am Flugloch beobachtet, sieht also einen Ausschnitt, aus dem sich die Koloniegröße nicht direkt ablesen lässt. Dass die Aufgabenzuordnung nach den Autoren flexibel ist und nicht starr nacheinander abläuft, bedeutet zudem: Ein Volk kann Ausfälle bei Jägerinnen intern ausgleichen. Für die Nestsuche ist der Hinweis auf das bevorzugte Baumaterial (Nesthülle und Baumrinde) ein Detail, das erklärt, warum Arbeiterinnen auch ohne Beute im Anflug unterwegs sein können.

Farbvariation bei der Riesenhornisse Vespa mandarinia und der gezüchtete „Hongniang“-Typ

Huang, Li und Guo behandeln in Insects (DOI 10.3390/insects17090934) die weltweite Farbvariation der Riesenhornisse Vespa mandarinia und, so der Titel, die potenzielle Gefahr einer Ausbreitung des kommerziell gezüchteten Farbtyps „Hongniang“. Eine Zusammenfassung liegt uns nicht vor, weitere Einzelheiten können wir daher nicht wiedergeben. Festhalten lässt sich: Es geht um eine andere Art als die bei uns relevante Vespa velutina, und der Fokus liegt auf Bestimmungsmerkmalen sowie auf einem Verbreitungsrisiko, das aus gewerblicher Haltung erwächst.

Was das für uns heißt: Für die tägliche Praxis in Europa ändert sich dadurch nichts. Der Ansatz der Arbeit erinnert aber daran, dass Farbmerkmale innerhalb einer Hornissenart variabler sein können, als es Bestimmungshilfen nahelegen. Dass Bildmaterial in der behördlichen Praxis dabei den Ausschlag gibt, zeigt diese Woche der Fall Isle of Wight: Dort führte laut Island Echo das Foto eines Inselbewohners die Fachleute zum ersten Nest. Wie schwierig Verwechslungen sein können, zeigt in dieser Woche auch El Periódico mit einem Leitfaden zur Unterscheidung von Orientalischer und Asiatischer Hornisse in Spanien. Welche Angaben bei einer Meldung verlangt werden, geben die zuständigen Stellen jeweils selbst vor.

Die Woche in Zahlen

Sichtungen europaweit3.589
davon in Deutschland580
eigene Nutzermeldungen5
Presseberichte ausgewertet135
Fachveröffentlichungen2

Quellen: eigene Sichtungsdatenbank (Stand 13.09.2026), 108 im Zeitraum 07. bis 13.09.2026 ausgewertete Presseberichte aus Portugal, Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Belgien, Großbritannien und Irland, Spanien und Italien sowie zwei Fachveröffentlichungen in „Insects“. Presseangaben sind Wiedergaben der jeweiligen Überschriften und Meldungen, nicht eigene Feststellungen.

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