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Wochenrückblick · 2026, Kalenderwoche 36

Berlin, Somerset, Glarus: Die Woche der ersten Male

Wochenrückblick 31. August bis 6. September 2026 (KW 36)

Die Woche als Sendung. Alle Ausgaben unter Sendung.

Der Spätsommer ist die Zeit, in der die Nester am größten und damit am sichtbarsten sind, und entsprechend liest sich die Presseauswertung dieser Woche wie eine Landkarte der Erstnachweise. Berlin, der Landkreis Göttingen, der Kanton Glarus und die englische Grafschaft Somerset melden Funde, die es dort so noch nicht gab. Gleichzeitig zeigen Zahlen aus Portugal und Spanien, wie der Alltag in den lange betroffenen Regionen aussieht. Unsere Datenbank verzeichnet 4.311 Sichtungen europaweit, 690 davon in Deutschland, ein moderates Plus von zwei Prozent gegenüber der Vorwoche. 63 Presseberichte aus sieben Ländern flossen in diesen Rückblick ein.

Die Woche

Die Ausbreitungsfront verschiebt sich nach Nordosten

Die auffälligste Meldung kommt aus der Hauptstadt: In Berlin-Neukölln wurde eine Asiatische Hornisse entdeckt, das zugehörige Nest ist bislang nicht lokalisiert. Der Tagesspiegel zitiert in der Überschrift die naheliegende Schlussfolgerung („Irgendwo in Berlin gibt es ein Nest“), der Berliner Kurier berichtet ebenfalls über den Fund und die noch offene Suche. Ein Einzeltier bedeutet nach aller Erfahrung, dass eine Kolonie in Flugweite steht; gefunden ist sie damit aber noch nicht.

Fast zeitgleich meldet das Göttinger Tageblatt einen Fund im Landkreis Göttingen und lässt einen Experten sagen, dass mit weiteren Funden zu rechnen sei. Bemerkenswert ist die Frequenz: Die Zeitung führt die Asiatische Hornisse an gleich mehreren Tagen dieser Woche in ihren Nachrichtenüberblicken. Die Lausitzer Rundschau fragt für Spree-Neiße, ob die Bienen dort in Gefahr sind, die Lübecker Nachrichten berichten über Stormarn, die Stadt Leipzig ruft zu Meldungen auf. Der Osten und Norden Deutschlands, bis vor Kurzem noch Randzone, taucht in dieser Woche so regelmäßig auf wie sonst Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg.

Auch dort geht es weiter: Die Kölnische Rundschau berichtet über einen Fund direkt am Stadtgarten in der Kölner Innenstadt, die Ruhr Nachrichten über die Ausbreitung in NRW und einen Fall in Schwerte, die Badische Zeitung meldet, dass die Art nun auch Schluchsee erreicht hat, und die Fränkischen Nachrichten schreiben über ein großes Nest nahe einer Schule in Kreuzwertheim. Über Deutschland hinaus: Der Kanton Glarus vermeldet auf seiner eigenen Seite den Erstnachweis in der Schweiz, die BBC und die Somerset County Gazette berichten über das erste Nest in Somerset samt „rapid response“ der Behörden, und die Gazzetta d'Alba schreibt, die Vespa velutina sei nun auch in Langa und Roero angekommen, dort in Kombination mit Trockenheit ein doppelter Druck auf die Völker.

Wie und wo man eine Sichtung meldet

Was funktioniert: organisierte Freiwilligenarbeit

Der interessanteste Erfahrungsschatz dieser Woche liegt in Flandern und den Niederlanden. HLN porträtiert ein „Legertje vrijwilligers“ in Nijlen, das systematisch Nester aufspürt, und zitiert einen Beteiligten mit dem Satz, die Euphorie beim Fund eines Nests sei „verslavend“, süchtig machend. Aus Herentals meldet dasselbe Medium, die Gemeinde bündele ihre Kräfte und sei „intussen goed voorbereid“. leuvenactueel.be berichtet über eine Zusammenarbeit von Schädlingsbekämpfern in Flämisch-Brabant, der Polderke über eine Imkervereinigung, die Ergebnisse ihrer Aufspürarbeit vorstellt.

Kommunale Ungeduld dokumentiert das Noordhollands Dagblad: Heemskerk entferne ein Nest notfalls selbst, wenn die Provinz es nicht tue, die Zahl der Nester sei dort noch „beperkt en beheersbaar“. Aus Alkmaar meldet rodi.nl zwei entdeckte und entfernte Nester, verbunden mit dem ausdrücklichen Hinweis, sie nicht selbst zu entfernen. Dieselbe Warnung findet sich bei ka-news.de für Deutschland. Die VRT greift einen Punkt auf, der in Merkblättern oft untergeht: Das Töten einzelner Tiere könne weitere anlocken.

Wie die Entfernung praktisch abläuft, beschreibt die Aachener Zeitung unter der Überschrift „Mit Lanze und Wasserdampf“: ein Verfahren, das ohne Insektizid auskommt. Dass Ressourcen dafür kein Selbstläufer sind, zeigt eine Anfrage von FDP/BZD nach der Verwendung von 20.000 Euro für die Asiatische Hornisse, über die LokalKlick.eu berichtet.

Wie Nester gefunden werden

Die Zahlen aus dem Süden, und was sie relativieren

Wer die 690 deutschen Sichtungen einordnen will, sollte die iberischen Meldungen danebenlegen. Gleich fünf portugiesische Medien, darunter Diário do Minho, O MINHO und correiodominho.pt, berichten übereinstimmend: Die Gemeinde Vieira do Minho hat in einem halben Jahr 175 Nester beseitigt, eine einzige Gemeinde. Aus Asturien meldet LNE, seit 2018 seien dort mehr als 800.000 Königinnen abgefangen worden, und zitiert Fachleute mit der Einschätzung, man sei „dieses Jahr überfordert“. Aus Frankreich passt dazu die Bilanz aus Saint-Vougay, wo Le Télégramme 440 gefangene Königinnen aus der Frühjahrsaktion nennt.

In Spanien blickt man derweil nach vorn statt zurück: Vozpopuli berichtet über die Sorge Madrider Imker, ob die Art die Stadt erreichen könne. Es ist die gleiche Frage, die diese Woche in Berlin beantwortet wurde.

Der Ton der Debatte: Eindämmung oder Anpassung

Zwei Überschriften markieren den Stimmungsumschwung. „Wir werden die Asiatische Hornisse nicht aufhalten können“, zitieren L'essentiel und lessentiel.lu aus Luxemburg, in deutscher und französischer Fassung. Die Augsburger Allgemeine fragt bei „rasanter Ausbreitung“, ob die Maßnahmen zur Eindämmung reichen, die SZ berichtet über eine rasante Zunahme von Nest-Sichtungen. Der Guardian meldet, britische Imker warnten vor der Bedrohung und forderten eine landesweite Aufklärungskampagne, in einem Land, das bislang jedes Nest einzeln bekämpft und damit vergleichsweise gut gefahren ist.

Dass Aufklärung nötig bleibt, zeigt ein kleiner Fall aus Baden-Baden: Die Badischen Neuesten Nachrichten berichten, Fachleute hätten dort ein Nest begutachtet, Asiatische Hornisse oder Mörtelwespe. Frankreich setzt genau hier an, mit einem Sensibilisierungs-Workshop in Quéven, Informationsmaterial der Métropole Européenne de Lille und einem Bestimmungsartikel bei Au jardin, der Asiatische, Europäische und Orientalische Hornisse gegenüberstellt.

Was am Bienenstand zu beobachten ist

Sichtung an uns melden

Zum Schluss die kuriose Meldung der Woche: 24garten berichtet über eine Biologin, die neugierig darauf ist, wie ein Aufeinandertreffen von Asiatischer Hornisse und Waschbär im Garten ausgeht. Zwei invasive Arten, ein „Kampf der Giganten“: Die Überschrift ist augenzwinkernd, das dahinterliegende Thema nicht.

Die Woche in Zahlen

KennzahlWert
Sichtungen europaweit4.460
davon Deutschland690
Vorwoche europaweit4.233 (+2 Prozent)
eigene Nutzermeldungen12
ausgewertete Presseberichte63 aus 7 Ländern
Nester in Vieira do Minho (6 Monate)175
Königinnen in Asturien seit 2018über 800.000
Königinnen in Saint-Vougay (Frühjahr)440

Grundlage dieses Rückblicks sind 63 Presseberichte aus Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Luxemburg, Großbritannien, Portugal, Spanien, Italien und der Schweiz sowie die Sichtungszahlen unserer eigenen Datenbank für die Woche vom 31. August bis 6. September 2026. Uns lagen ausschließlich Überschriften vor; Angaben sind entsprechend als Wiedergabe der Berichterstattung zu lesen. Fachveröffentlichungen lagen in dieser Woche nicht vor.

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