Form: Kugel oder Birne
Das Sekundärnest ist rundlich bis eiförmig und hängt frei. Das Nest der Europäischen Hornisse ist eher walzenförmig und sitzt meist in einem Hohlraum [6].
Wissen · Nest
Ein Volk baut im Jahr zwei Nester: ein kleines im Frühjahr, ein großes im Sommer. Woran man sie erkennt, wie groß sie werden und wie sie sich vom Nest der heimischen Hornisse unterscheiden.
Wer ein Nest sucht, sucht je nach Jahreszeit etwas völlig Verschiedenes. Eine überwinterte Königin gründet im Frühjahr allein ein Embryonalnest, auch Primärnest genannt. Wächst das Volk, zieht es im Sommer um und baut an anderer Stelle ein Sekundärnest [5][4].
Das ist kein Nebendetail, sondern der Grund, warum viele Nester erst spät gefunden werden: Das kleine Nest hängt niedrig und in Sichtweite, das große hängt hoch und im Laub.
Die genauesten Messreihen stammen aus Galicien, wo zwischen 2012 und 2021 über 154.000 Nester erfasst wurden [5]. Die Zahlen zeigen, wie schnell ein Volk im Jahresverlauf wächst:
| Jahreszeit | Umfang | Höhe | Zellen |
|---|---|---|---|
| Frühjahr | 43 cm | 12,8 cm | rund 575 |
| Sommer | 61,5 cm | 17,9 cm | rund 940 |
| Herbst | 116,7 cm | 46,5 cm | rund 8.040 |
| Winter | 113,5 cm | 56,2 cm | rund 6.590 |
Mittelwerte, Umfang und Höhe des Sekundärnests. Quelle: [5]
Das Embryonalnest im Frühjahr misst dagegen nur 8 bis 33 cm im Umfang und 3 bis 10 cm in der Höhe, mit ein bis zwei Waben [5]. Es hat die Größe einer Faust und wird deshalb regelmäßig übersehen.
Ein ausgewachsenes Sekundärnest trägt in Galicien bis zu 21.883 Zellen in bis zu elf Waben [5]. Portugiesische Messungen nennen eiförmige Nester von 18,7 bis 45,0 cm Durchmesser und 19,2 bis 65,0 cm Länge, mit einer beige-braun gestreiften Außenhülle [6].
Das Sekundärnest ist rundlich bis eiförmig und hängt frei. Das Nest der Europäischen Hornisse ist eher walzenförmig und sitzt meist in einem Hohlraum [6].
Die Außenhaut besteht aus zerkautem Holz und wirkt wie geschichtetes Papier. Fünf bis zehn Lagen liegen übereinander [6].
Das reife Nest hat einen Haupteingang und mehrere Nebeneingänge; sie liegen seitlich [5]. Das Nest der Europäischen Hornisse ist unten weit offen, man sieht die Waben von unten hinein. Das ist im Zweifel das verlässlichste Unterscheidungsmerkmal.
Bis auf die Eingänge ist das Nest vollständig umhüllt. Beim Embryonalnest im Frühjahr ist es ein einzelnes Loch von rund 1,5 cm, unten [5].
Die galicische Auswertung von über 154.000 Nestern ergab [5]:
| in der Vegetation, meist in Bäumen | 61 % |
|---|---|
| an oder in Gebäuden | 36 % |
| am oder im Boden | 3 % |
Dabei gilt eine Regel, die für die Suche entscheidend ist: Embryonalnester sitzen im Frühjahr überwiegend an Gebäuden, unter Dachvorsprüngen, in Schuppen, Carports und Gartenhäusern, Sekundärnester im Herbst überwiegend frei in der Vegetation [5]. Der französische Bekämpfungsplan nennt für Primärnester eine Höhe von unter fünf Metern, an Gebäuden oder in Büschen [55].
Bei 15 Nestern in Deutschland lag die Höhe im Mittel bei 9 Metern, bei 25 Nestern in der Schweiz bei 18 Metern; behandelt wurde bis in 20 bis 30 Meter Höhe [15]. Genau das macht die Beseitigung aufwendig und teuer, siehe Nest entfernen lassen.
Im Sommer verbirgt das Laub die hoch hängenden Nester fast vollständig. Sichtbar werden sie mit dem Laubfall, also von Oktober an, zu einem Zeitpunkt, an dem die Kolonie ihre größte Ausdehnung bereits erreicht hat [6]. Deshalb häufen sich Nestmeldungen im Spätherbst, ohne dass mehr Nester da wären als im August.
Was ein Fund im Herbst noch bringt, steht auf der Seite Sekundärnester im Herbst.
In den Siedlungsflächen von Andernos-les-Bains (Frankreich) wurden über zehn Nester je Quadratkilometer gezählt [7]. Wer ein Nest findet, sollte also nicht annehmen, es sei das einzige in der Umgebung.
Merksatz: Frühjahr klein und tief am Haus, Herbst groß und hoch im Baum. Eingang seitlich statt unten: Das unterscheidet es vom Nest der heimischen Hornisse.
Die Nummern gelten auf allen Wissensseiten gleich. Wo eine Aussage keinen Beleg trägt, steht das ausdrücklich dabei.