Zwei Fragen, zwei verschiedene Antworten
Über die Gefahr für den Menschen wird oft in einem Atemzug geredet, obwohl zwei Fragen dahinterstecken, die verschieden zu beantworten sind: Sterben mehr Menschen? Und: Reagieren mehr Menschen allergisch?
Sterblichkeit: kein messbarer Anstieg
Eine spanische Arbeitsgruppe hat die amtlich bescheinigten Todesfälle ausgewertet, die über mehrere Jahrzehnte auf Kontakt mit Hornissen, Wespen und Bienen zurückgeführt wurden, also über den gesamten Zeitraum, in dem sich Vespa velutina in Spanien angesiedelt und ausgebreitet hat. Das Ergebnis: keine messbare Veränderung.
Eine französische Auswertung von zehn Jahren Notaufnahme-Daten kommt zum selben Bild: über den gesamten Zeitraum kein Trend nach oben oder unten, obwohl sich die Art in dieser Zeit über weite Teile Frankreichs ausgebreitet hat. Hornissenstiche trugen dort das höchste Risiko einer schweren Vergiftung, bei 2,3 Prozent der Fälle.
Für Menschen ohne Insektengiftallergie ist nach diesen Auswertungen keine Zunahme tödlicher Verläufe belegt. Diese Zahl gehört in jedes Gespräch mit Nachbarn und Gemeinden: Angst führt dazu, dass heimische Hornissennester zerstört werden.
Allergie: hier sieht es anders aus
Ärztinnen und Ärzte aus Spanien und Portugal berichten von zunehmenden Fällen anaphylaktischer Schocks nach Stichen dieser Art. In den untersuchten Gebieten sind Stiche von Vespa velutina inzwischen die häufigste Ursache für allergische Reaktionen nach Hautflüglerstichen und machen dort 75 Prozent dieser Fälle aus [25].
Der Punkt, der oft übersehen wird: Die Mehrzahl der Betroffenen war zum ersten Mal von einer Asiatischen Hornisse gestochen worden. Die Allergie war also nicht vorher bekannt, sondern entstand mit diesem Stich [25].
Diese Zahlen stammen aus Gebieten mit sehr hoher Nestdichte und langer Etablierung. Sie beschreiben nicht die heutige deutsche Lage, sondern das, was bei entsprechender Dichte auf eine Region zukommen kann.
Was Allergiker wissen sollten
Wer weiß, dass er auf Insektenstiche allergisch reagiert, braucht ein Notfallset. Das gilt unabhängig davon, welche Art sticht, und hat sich durch diese Hornisse nicht geändert.
Neu ist eine Frage, die bei bestehender Behandlung aufkommt: Schützt eine laufende Hyposensibilisierung gegen Wespengift auch gegen diese Art? Eine spanische Untersuchung ist ihr nachgegangen und fand Hinweise auf eine Kreuzwirkung der Immuntherapie mit Vespula-Gift [26]. Das ist ein Befund, keine Behandlungsempfehlung: Darüber entscheidet die behandelnde Praxis, nicht diese Seite.
Verhalten am Nest
Einzelne Tiere sind bei der Nahrungssuche nicht angriffslustig. Am Bienenstand jagen sie, sie greifen den Menschen dort nicht an. Anders in Nestnähe: Dort verteidigt die Art wie jede staatenbildende Faltenwespe, und ein Sekundärnest beherbergt mehrere tausend Tiere [1].
- Abstand halten, sobald ein Nest bekannt ist. Als Faustregel gelten mehrere Meter, bei Arbeiten mit Lärm oder Erschütterung mehr.
- Nicht selbst entfernen. Die Beseitigung gehört zu Fachleuten mit Schutzausrüstung [1][21].
- Keine hektischen Bewegungen und nicht nach den Tieren schlagen.
- Bei bekannter Allergie: Notfallset mitführen, auch bei Gartenarbeit.
Was sich nicht belegen ließ
- Für Deutschland liegen keine eigenen Auswertungen zu Stichfolgen durch diese Art vor. Die Zahlen aus Spanien, Portugal und Frankreich lassen sich nicht ohne Weiteres übertragen: Sie stammen aus Gebieten mit erheblich höherer Nestdichte.
- Ob die Kreuzwirkung einer Wespengift-Immuntherapie im Einzelfall ausreicht, ist eine ärztliche Frage und hier nicht zu beantworten.