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Stiche, Allergie und was wirklich belegt ist

Zwischen Panikmache und Verharmlosung: Was Untersuchungen zur Gefahr für den Menschen zeigen, und was daraus für Allergiker folgt.

Zwei Fragen, zwei verschiedene Antworten

Über die Gefahr für den Menschen wird oft in einem Atemzug geredet, obwohl zwei Fragen dahinterstecken, die verschieden zu beantworten sind: Sterben mehr Menschen? Und: Reagieren mehr Menschen allergisch?

Sterblichkeit: kein messbarer Anstieg

Eine spanische Arbeitsgruppe hat die amtlich bescheinigten Todesfälle ausgewertet, die zwischen 1999 und 2023 auf Kontakt mit Hornissen, Wespen und Bienen zurückgeführt wurden, 118 Fälle, also über den gesamten Zeitraum, in dem sich Vespa velutina in Spanien angesiedelt und ausgebreitet hat. Das Ergebnis: keine messbare Veränderung [48]. Eine ältere Auswertung derselben Datenbasis zählte für 1999 bis 2018 78 Todesfälle, überwiegend Männer über 65 [49].

Eine französische Untersuchung über zehn Jahre (2014 bis 2023) kommt zum selben Bild. Sie wertet vier Datenquellen zusammen aus: Giftnotrufzentralen, Notaufnahmen, Krankenhausaufnahmen und Totenscheine. Über den gesamten Zeitraum kein Trend nach oben oder unten, obwohl sich die Art in dieser Zeit über weite Teile Frankreichs ausgebreitet hat. Hornissenstiche trugen dort das höchste Risiko einer schweren Vergiftung: 2,3 Prozent der Hornissenstiche verliefen so [50].

Eine Zahl aus derselben Arbeit gehört der Vollständigkeit halber dazu: Der Anteil der Fälle, die auf einer Intensivstation behandelt wurden, stieg von 10 Prozent (2014) auf 17 Prozent (2023). Gleich geblieben sind die Zahl der Fälle und die Sterblichkeit, nicht die Schwere der Behandlung [50].

Für Menschen ohne Insektengiftallergie ist nach diesen Auswertungen keine Zunahme tödlicher Verläufe belegt. Diese Zahl gehört in jedes Gespräch mit Nachbarn und Gemeinden: Angst führt dazu, dass heimische Hornissennester zerstört werden.

Allergie: hier sieht es anders aus

Ärztinnen und Ärzte aus Spanien und Portugal berichten von zunehmenden Fällen anaphylaktischer Schocks nach Stichen dieser Art. In den untersuchten Gebieten sind Stiche von Vespa velutina inzwischen die häufigste Ursache für allergische Reaktionen nach Hautflüglerstichen und machen dort 75 Prozent dieser Fälle aus [25].

Der Punkt, der oft übersehen wird: Die Mehrzahl der Betroffenen war zum ersten Mal von einer Asiatischen Hornisse gestochen worden. Die Allergie war also nicht vorher bekannt, sondern entstand mit diesem Stich [25].

Diese Zahlen stammen aus Gebieten mit sehr hoher Nestdichte und langer Etablierung. Sie beschreiben nicht die heutige deutsche Lage, sondern das, was bei entsprechender Dichte auf eine Region zukommen kann.

Was Allergiker wissen sollten

Wer weiß, dass er auf Insektenstiche allergisch reagiert, braucht ein Notfallset. Das gilt unabhängig davon, welche Art sticht, und hat sich durch diese Hornisse nicht geändert.

Neu ist eine Frage, die bei bestehender Behandlung aufkommt: Schützt eine laufende Hyposensibilisierung gegen Wespengift auch gegen diese Art? Eine spanische Untersuchung ist ihr nachgegangen und fand Hinweise auf eine Kreuzwirkung der Immuntherapie mit Vespula-Gift [26]. Das ist ein Befund, keine Behandlungsempfehlung: Darüber entscheidet die behandelnde Praxis, nicht diese Seite.

Verhalten am Nest

Einzelne Tiere sind bei der Nahrungssuche nicht angriffslustig. Am Bienenstand jagen sie, sie greifen den Menschen dort nicht an. Anders in Nestnähe: Dort verteidigt die Art wie jede staatenbildende Faltenwespe, und ein Sekundärnest beherbergt mehrere tausend Tiere [1].

  1. Abstand halten, sobald ein Nest bekannt ist. Als Faustregel gelten mehrere Meter, bei Arbeiten mit Lärm oder Erschütterung mehr.
  2. Nicht selbst entfernen. Die Beseitigung gehört zu Fachleuten mit Schutzausrüstung [1][21].
  3. Keine hektischen Bewegungen und nicht nach den Tieren schlagen.
  4. Bei bekannter Allergie: Notfallset mitführen, auch bei Gartenarbeit.

Was sich nicht belegen ließ

Quellen

  1. [1] Umweltbundesamt: Asiatische Hornisse
  2. [21] LANUK NRW: Asiatische Hornisse, Maßnahmen
  3. [25] Esteves Caldeira et al. 2023, European Annals of Allergy and Clinical Immunology
  4. [26] Rodríguez-Vázquez et al. 2021, Clinical & Experimental Allergy
  5. [48] Herrera und Leza 2026, Journal of Medical Entomology: kein Anstieg der Sterblichkeit in Spanien
  6. [49] Feás 2021, Biology: Todesfälle durch Hornissen-, Wespen- und Bienenstiche in Spanien 1999 bis 2018
  7. [50] Sinno-Tellier et al. 2026, Journal of Allergy and Hypersensitivity Diseases: Vergiftungen durch Vespa velutina und andere Hautflügler in Frankreich

Die Nummern gelten auf allen Wissensseiten gleich. Wo eine Aussage keinen Beleg trägt, steht das ausdrücklich dabei.

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