VelutinaFinder.de

Wissen · Frühjahr

Der Locktopf: beobachten statt fangen

Im Frühjahr wird nicht gefangen, sondern hingesehen. Der Locktopf ist die Methode, mit der die Beauftragten der Landesverbände arbeiten.

Warum beobachten und nicht fangen

Im Frühjahr fliegen die überwinterten Gründerinnen und suchen einen Platz für das Primärnest. Dafür brauchen sie viel Energie, also kohlenhydratreiche Nahrung. Genau das macht sie sichtbar.

Der Locktopf ist deshalb keine Falle. Er ist eine gefahrlose Futterquelle, an der sich Tiere zeigen, in Ruhe ansehen und bestimmen lassen. Kein Tier soll darin umkommen, auch keines der vielen heimischen Insekten, die ebenso hungrig sind. So arbeiten die Vespa-velutina-Beauftragten der Landesverbände.

Wer eine Gründerin am Locktopf erkennt und meldet, hat mehr erreicht als jeder Fang: Ein gemeldetes Primärnest lässt sich mit geringem Aufwand entfernen, ein Sekundärnest im August braucht eine Hubarbeitsbühne.

So wird er gebaut

  1. Ein passender Behälter mit dichtem Deckel.
  2. Eine passgenaue Öffnung im Deckel für den Docht.
  3. Ein Schwammtuch, in etwa 3 cm breite Streifen geschnitten, lang genug, dass es am Boden des Topfes aufliegt und die Flüssigkeit hochzieht.
  4. Der Docht ragt höchstens 3 Zentimeter aus dem Glas heraus.

Entscheidend: Es darf kein Tier in das Glas gelangen. Passt die Öffnung nicht dicht um den Docht, wird aus der Beobachtungsstelle eine Falle, und dann fängt sie überwiegend das, was niemand fangen wollte.

Drei bewährte Ansätze

HerkunftZusammensetzung
Galicisches Standardrezept 5 Liter fermentiertes Wasser, 2 kg Zucker, 50 g Hefe. Zwei Tage im offenen Behälter gären lassen.
Frankreich je ein Drittel Weißwein, Bier und Zuckersirup
Belgien je ein Drittel Bier, Weißwein und Himbeersirup

Quelle: Handlungsempfehlung des Landesverbands Württembergischer Imker, 25.03.2024.

Alle drei setzen auf denselben Reiz: vergorene Süße. Der Weinanteil in den west­europäischen Rezepten wirkt zusätzlich abschreckend auf Honigbienen, die Alkohol meiden.

Wo er stehen sollte

Nicht unbedingt am Bienenstand. Im Frühjahr geht es nicht um den Schutz der Völker, sondern darum, überhaupt zu sehen, ob die Art in der Gegend ist. Fensterbank oder Terrasse reichen, entscheidend ist, dass man über längere Zeit hinsehen kann.

Sinnvoll ist das vor allem dort, wo es im Vorjahr Nestfunde gab. Wo die Art noch nicht nachgewiesen ist, lohnt der Blick trotzdem: Die Erstnachweise des Jahres 2026 in Sachsen, Brandenburg und Bayern kamen überwiegend aus Gegenden, in denen niemand damit gerechnet hatte.

Was man am Tier prüft

Bei Verdacht wird das Tier mit einem Glas oder einer Becherlupe abgefangen, angesehen und mit Foto gemeldet. Zu prüfen sind die drei Merkmale, die keine heimische Art teilt:

  1. Gelbe Beinenden [1][2]
  2. Schwarze Brust ohne rotbraune Zeichnung [1]
  3. Oranges Gesicht [1]

Im Frühjahr ist die häufigste Verwechslung nicht die Europäische Hornisse, sondern die Mittlere Wespe: Sie baut ebenfalls frei und an denselben Stellen.

Was sich nicht belegen ließ

← Alle Wissensseiten Die fünf Merkmale Verwechslung vermeiden Sichtung melden