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Wochenrückblick · 2026, Kalenderwoche 34

In Leipzig läuft die Nestsuche — und Portugal zählt 241 Nester

Wochenrückblick 17. bis 23. August 2026 (KW 34)

Es war die Woche, in der Sachsen nach dem Erstnachweis der Vorwoche in die

Nestsuche einstieg, in der die Meldepflicht stillschweigend entfiel — und in der

ein Schädlingsbekämpfer im Südwesten mit einem Industriesauger in einen Gully

stieg. 64 Berichte aus sieben Ländern. Die Sichtungszahl dieser Woche ist mit der Vorwoche nicht vergleichbar — die Datengrundlage hat sich geändert, siehe den Hinweis am Ende.

Was diese Woche zeigt: Die Debatte hat sich verschoben. Es geht kaum noch darum,

ob die Art bleibt. Es geht darum, wie man mit ihr lebt.


Sachsen: aus dem Erstnachweis wird eine Suche

Der Erstnachweis selbst fiel in die Vorwoche — am 11. und 12. August meldeten ihn

mehrere sächsische und überregionale Redaktionen. In dieser Woche folgt, was danach

kommt: bienen&natur berichtete am 20. August, die Nestsuche laufe; die *Freie

Presse* fragte am 19. August nach der Gefahr für Bienen und Menschen.

Am selben Tag rief der MDR die Leipziger auf, bei der Suche zu helfen. Das Muster

wiederholt sich in ganz Europa: Wo die Art neu auftritt, wird als Erstes die

Bevölkerung eingespannt. Behörden allein finden die Nester nicht — sie hängen zu

hoch und zu versteckt.

Die Meldepflicht ist weg, und kaum jemand hat es gemerkt

IKZ-Online berichtete am 19. August aus Hemer und Iserlohn unter einer

Überschrift, die für viele Imkerinnen und Imker eine Neuigkeit sein dürfte:

„Meldepflicht entfällt."

Der Hintergrund: Seit März 2025 gilt die Art in Deutschland als „weit verbreitet"

statt „neu auftretend". Damit fällt sie unter Artikel 19 der EU-Verordnung

1143/2014 — Management statt Tilgung. Die formale bundesweite Meldepflicht ist

entfallen.

Was das nicht heißt: dass Meldungen wertlos wären. Im Gegenteil. Ohne

Fundmeldungen weiß niemand, wo die Art steht. Die Behörden bitten weiterhin

ausdrücklich darum. Nur der Zwang ist weg.

Die Rechtslage im Einzelnen

Drei Werkzeuge, drei Geschichten

Diese Woche brachte gleich drei Berichte darüber, wie Nester gefunden und

entfernt werden. Zusammen ergeben sie ein gutes Bild vom Stand der Technik.

Der Sender. IKZ-Online begleitete einen Imker in Hemer und Iserlohn, der mit

Sender und Schutzanzug auf die Suche geht. Genau das Verfahren, das 2018 erstmals

wissenschaftlich belegt wurde: Eine Hornisse fangen, einen winzigen Funksender

aufkleben, freilassen, dem Signal folgen. Damals fand ein britisches Team so fünf

zuvor unbekannte Nester, das entfernteste 1,33 Kilometer entfernt.

Das Radar. Im bolognesischen Apennin wurde ein Nest per Radiotelemetrie

aufgespürt und entfernt, meldeten èTV Rete 7 und Renonews. Italien ist bei

diesem Verfahren führend — die entscheidenden Arbeiten dazu kommen aus Turin.

Der Sauger. Die vielleicht bemerkenswerteste Meldung der Woche: Ein Nest im

Gully, ein Fachmann mit Industriesauger. SWR und tagesschau.de berichteten am

22. August darüber. Ungewöhnlich ist nicht die Methode, sondern der Ort — ein

Gully ist kein Baum in 15 Metern Höhe.

Was die Forschung zur Nestsuche sagt

Portugal: 241 Nester in einer Gemeinde

Die eindrücklichste Zahl der Woche kommt aus Oliveira do Hospital, einer Kleinstadt

in Zentralportugal mit rund 18.000 Einwohnern. Dort wurden seit Jahresbeginn

241 Nester zerstört — sieben portugiesische Medien meldeten es am selben Tag,

von Observador bis SAPO.

Diese Zahl ist aus zwei Gründen bemerkenswert. Erstens zeigt sie, was ein

systematisches kommunales Programm leistet. Zweitens zeigt sie, wo Portugal steht:

Bei 241 Nestern in einer einzigen Gemeinde spricht niemand mehr von Einzelfunden.

Zum Vergleich: In Guernsey, wo die Art noch früh in der Ausbreitung steht, wurden

laut BBC in diesem Jahr 18 Nester gefunden. Zwei Länder, zwei Stadien

derselben Invasion.

Spanien: „Sie sind gekommen, um zu bleiben"

elDiario.es zitierte am 19. August einen Satz, der die Woche zusammenfasst:

„Wir werden die Ausrottung nicht schaffen, sie sind gekommen, um zu bleiben."

Es ist derselbe Befund, den die deutsche Umstufung im März 2025 in

Verwaltungssprache gegossen hat. In Spanien wird er offener ausgesprochen. Auf den

Balearen wächst laut OkDiario die Sorge unter Biologen, in Kastilien und León

prüft die Regionalregierung gemeinsam mit einem Forschungsinstitut, welche

Kontrollverfahren überhaupt taugen.

Frankreich: Hitze als Verbündeter, Pflanzen als Vorbild

Zwei Meldungen aus Frankreich fielen aus dem Rahmen.

Die L'Éveil de la Haute-Loire fragte, ob die Hitzewelle den Hornissen zusetzt —

ein unerwarteter Verbündeter. Und La Provence berichtete über eine

fleischfressende Pflanze, die als Vorbild für eine bessere Falle dienen könnte.

Beides ist noch keine Lösung. Aber es zeigt, wo gesucht wird: nach Verfahren, die

gezielt wirken. Denn das Grundproblem heutiger Köderfallen ist bekannt — sie fangen

zu viel, was nicht gemeint ist.

Was zum Schutz des Bienenstands belegt ist

Die Niederlande zählen auf Freiwillige

In den Niederlanden verlief die Woche anders als anderswo: Dort organisiert sich

die Suche von unten. Die Gemeinde Moerdijk rief dazu auf, nach oben zu schauen und

Nester zu melden. In Staphorst spürten Freiwillige ein Nest auf, in Wierden wurde

das erste Nest überhaupt entdeckt und entfernt, in Voorschoten eines beseitigt.

Ein Bekämpfer aus Hengelo beschrieb im Gespräch mit Twente FM, womit er es zu tun

hat: „Sie gehen sofort in den Angriff."

Was Imker diese Woche bewegte

Die deutschen Berichte trugen einen anderen Ton als die Verwaltungsmeldungen. In

Düsseldorf schlugen Imker Alarm (NRZ). Aus Neustadt kam eine Prognose, die

aufhorchen lässt: „Nächstes Jahr 100 Nester" (HAZ). Und NN.de zitierte

einen Satz, der die Sorge auf den Punkt bringt:

„Dann stirbt bei uns die Imkerei aus."

Solche Sätze sind keine Statistik. Aber sie beschreiben, wie die Lage an

Bienenständen ankommt — und warum die Bereitschaft, selbst zu suchen und zu melden,

gerade wächst.


Die Woche in Zahlen

Sichtungen europaweit3.186 — nicht vergleichbar, siehe Hinweis
davon in Deutschland558 — nicht vergleichbar, siehe Hinweis
Veränderung zur Vorwochenicht ausweisbar
Schwerpunkt DeutschlandNordrhein-Westfalen
Presseberichte ausgewertet64 aus 7 Ländern
neue Fachveröffentlichungen7

*Vier neue Arbeiten, hier auf Deutsch zusammengefasst. Die Originale sind

englischsprachig und stehen hinter den Verweisen.*

Bürgerbeteiligung: nur jede dritte Meldung stimmt

Eine spanische Arbeitsgruppe hat acht Jahre Bürgermeldungen ausgewertet —

1.329 geprüfte Meldungen aus der Plattform VespApp, 2016 bis 2024. Das Ergebnis

ist ernüchternd und lehrreich zugleich.

Was gemeldet wurdeAnteil richtig
Nester65,4 %
einzelne Insekten18,5 %
insgesamt29,3 %

Wer ein Nest meldet, liegt in zwei von drei Fällen richtig. Wer ein einzelnes Tier

meldet, liegt in vier von fünf Fällen daneben — meist verwechselt mit heimischen

Arten, vor allem Dolchwespen und anderen Faltenwespen.

Der zweite Befund betrifft die Beteiligung: Nur 8,11 Prozent der Meldenden

schickten je eine zweite Meldung. Die Bestimmungsfähigkeit der Öffentlichkeit

wächst über die Jahre, die Beteiligung aber nicht — sie flaut ab, sobald die Art

nicht mehr neu ist.

Was das für uns heißt: Ein Foto ist keine Formsache. Es ist der Unterschied

zwischen 29 und 65 Prozent Treffsicherheit. Und: Wer einmal meldet, meldet meist

nicht wieder — ein Grund mehr, den Weg so kurz wie möglich zu halten.

*Herrera et al., Journal of Applied Entomology, 14.07.2026 —

DOI 10.1111/jen.70144*

Krankheitserreger im Nest: was Portugal gefunden hat

Eine portugiesische Untersuchung hat 534 Proben aus 38 Nestern in den Regionen

Aveiro und Coimbra geprüft — Larven, Puppen, erwachsene Tiere und Königinnen. Die

Frage: Tragen die Hornissen Bienenkrankheiten in sich?

Sie tun es, und zwar durchgehend:

Erregerin wie vielen Proben
Flügeldeformationsvirus (DWV)70,4 %
Nosema ceranae42,7 %
Schwarzzellenvirus (BQCV)44,8 %
Chronisches Bienenparalysevirus33,9 %

Bemerkenswert ist, wo die Erreger gefunden wurden: in allen Entwicklungsstadien,

auch in Larven und Puppen, die den Bienenstand nie gesehen haben. Das deutet auf

mehrere Übertragungswege im Nest hin — möglicherweise auch von der Königin auf die

Brut.

Was das für uns heißt: Die Hornisse frisst nicht nur Bienen. Sie trägt deren

Krankheiten mit sich und könnte sie weiterverbreiten. Die Autoren sprechen von

„Anlass zur Sorge über artübergreifende Übertragung". Belastbare Aussagen darüber,

ob sie Völker tatsächlich ansteckt, gibt es noch nicht.

*Santos et al., Biological Invasions, 01.07.2026 —

DOI 10.1007/s10530-026-03878-4*

Korea: ein natürlicher Feind zeigt sich

In Südkorea ist die Art seit rund zwanzig Jahren etabliert. Lange galt: Sie hat dort

keine natürlichen Feinde — das ist der Grund, warum eingeschleppte Arten so schnell

wachsen.

Nun wurde erstmals eine Fleischfliege (Parasarcophaga similis) in

Hornissenlarven gefunden. Die genetische Prüfung zeigt: Es sind koreanische Tiere,

nahe verwandt mit chinesischen, deutlich getrennt von europäischen.

Was das für uns heißt: Einheimische Parasiten können lernen, die eingeschleppte

Art zu befallen. Das braucht Zeit — in Korea offenbar zwei Jahrzehnte. Ob sich in

Europa Ähnliches entwickelt, ist offen. Als Bekämpfungsmittel taugt der Befund

vorerst nicht.

*Hong et al., Journal of Asia-Pacific Biodiversity, 01.07.2026 —

DOI 10.1016/j.japb.2026.06.001*

Weltweite Bestandsaufnahme 2025

Achtzehn Forschende aus zwölf Ländern haben zusammengetragen, wo die Art im Jahr

2025 überall steht. Die Arbeit erschien am 18. August im *European Journal of

Entomology* und ist frei zugänglich — sie ist die derzeit aktuellste Übersicht

über den weltweiten Stand der Ausbreitung.

*Rojas-Nossa et al., European Journal of Entomology, 18.08.2026 —

DOI 10.14411/eje.2026.022*


*Für diesen Teil werden Veröffentlichungen der letzten 30 Tage ausgewertet,

unabhängig von der Sprache des Originals. Zusammengefasst wird auf Deutsch; jede

Aussage stammt aus der verlinkten Arbeit. Wo eine Arbeit nur eine Vermutung

formuliert, steht das hier auch so.*


*Dieser Bericht wertet öffentlich zugängliche Medienberichte und die Sichtungsdaten

von velutinafinder.de aus. Die verlinkten Originalberichte stehen bei den jeweiligen

Medien; wir geben wieder, was dort berichtet wurde. Zahlen aus unserer Datenbank

stammen aus eigenen Meldungen sowie aus GBIF, iNaturalist und Observation.org.*

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