Es war die Woche, in der Sachsen nach dem Erstnachweis der Vorwoche in die
Nestsuche einstieg, in der die Meldepflicht stillschweigend entfiel — und in der
ein Schädlingsbekämpfer im Südwesten mit einem Industriesauger in einen Gully
stieg. 64 Berichte aus sieben Ländern. Die Sichtungszahl dieser Woche ist mit der Vorwoche nicht vergleichbar — die Datengrundlage hat sich geändert, siehe den Hinweis am Ende.
Was diese Woche zeigt: Die Debatte hat sich verschoben. Es geht kaum noch darum,
ob die Art bleibt. Es geht darum, wie man mit ihr lebt.
Sachsen: aus dem Erstnachweis wird eine Suche
Der Erstnachweis selbst fiel in die Vorwoche — am 11. und 12. August meldeten ihn
mehrere sächsische und überregionale Redaktionen. In dieser Woche folgt, was danach
kommt: bienen&natur berichtete am 20. August, die Nestsuche laufe; die *Freie
Presse* fragte am 19. August nach der Gefahr für Bienen und Menschen.
Am selben Tag rief der MDR die Leipziger auf, bei der Suche zu helfen. Das Muster
wiederholt sich in ganz Europa: Wo die Art neu auftritt, wird als Erstes die
Bevölkerung eingespannt. Behörden allein finden die Nester nicht — sie hängen zu
hoch und zu versteckt.
Die Meldepflicht ist weg, und kaum jemand hat es gemerkt
IKZ-Online berichtete am 19. August aus Hemer und Iserlohn unter einer
Überschrift, die für viele Imkerinnen und Imker eine Neuigkeit sein dürfte:
„Meldepflicht entfällt."
Der Hintergrund: Seit März 2025 gilt die Art in Deutschland als „weit verbreitet"
statt „neu auftretend". Damit fällt sie unter Artikel 19 der EU-Verordnung
1143/2014 — Management statt Tilgung. Die formale bundesweite Meldepflicht ist
entfallen.
Was das nicht heißt: dass Meldungen wertlos wären. Im Gegenteil. Ohne
Fundmeldungen weiß niemand, wo die Art steht. Die Behörden bitten weiterhin
ausdrücklich darum. Nur der Zwang ist weg.
Drei Werkzeuge, drei Geschichten
Diese Woche brachte gleich drei Berichte darüber, wie Nester gefunden und
entfernt werden. Zusammen ergeben sie ein gutes Bild vom Stand der Technik.
Der Sender. IKZ-Online begleitete einen Imker in Hemer und Iserlohn, der mit
Sender und Schutzanzug auf die Suche geht. Genau das Verfahren, das 2018 erstmals
wissenschaftlich belegt wurde: Eine Hornisse fangen, einen winzigen Funksender
aufkleben, freilassen, dem Signal folgen. Damals fand ein britisches Team so fünf
zuvor unbekannte Nester, das entfernteste 1,33 Kilometer entfernt.
Das Radar. Im bolognesischen Apennin wurde ein Nest per Radiotelemetrie
aufgespürt und entfernt, meldeten èTV Rete 7 und Renonews. Italien ist bei
diesem Verfahren führend — die entscheidenden Arbeiten dazu kommen aus Turin.
Der Sauger. Die vielleicht bemerkenswerteste Meldung der Woche: Ein Nest im
Gully, ein Fachmann mit Industriesauger. SWR und tagesschau.de berichteten am
22. August darüber. Ungewöhnlich ist nicht die Methode, sondern der Ort — ein
Gully ist kein Baum in 15 Metern Höhe.
Was die Forschung zur Nestsuche sagt
Portugal: 241 Nester in einer Gemeinde
Die eindrücklichste Zahl der Woche kommt aus Oliveira do Hospital, einer Kleinstadt
in Zentralportugal mit rund 18.000 Einwohnern. Dort wurden seit Jahresbeginn
241 Nester zerstört — sieben portugiesische Medien meldeten es am selben Tag,
von Observador bis SAPO.
Diese Zahl ist aus zwei Gründen bemerkenswert. Erstens zeigt sie, was ein
systematisches kommunales Programm leistet. Zweitens zeigt sie, wo Portugal steht:
Bei 241 Nestern in einer einzigen Gemeinde spricht niemand mehr von Einzelfunden.
Zum Vergleich: In Guernsey, wo die Art noch früh in der Ausbreitung steht, wurden
laut BBC in diesem Jahr 18 Nester gefunden. Zwei Länder, zwei Stadien
derselben Invasion.
Spanien: „Sie sind gekommen, um zu bleiben"
elDiario.es zitierte am 19. August einen Satz, der die Woche zusammenfasst:
„Wir werden die Ausrottung nicht schaffen, sie sind gekommen, um zu bleiben."
Es ist derselbe Befund, den die deutsche Umstufung im März 2025 in
Verwaltungssprache gegossen hat. In Spanien wird er offener ausgesprochen. Auf den
Balearen wächst laut OkDiario die Sorge unter Biologen, in Kastilien und León
prüft die Regionalregierung gemeinsam mit einem Forschungsinstitut, welche
Kontrollverfahren überhaupt taugen.
Frankreich: Hitze als Verbündeter, Pflanzen als Vorbild
Zwei Meldungen aus Frankreich fielen aus dem Rahmen.
Die L'Éveil de la Haute-Loire fragte, ob die Hitzewelle den Hornissen zusetzt —
ein unerwarteter Verbündeter. Und La Provence berichtete über eine
fleischfressende Pflanze, die als Vorbild für eine bessere Falle dienen könnte.
Beides ist noch keine Lösung. Aber es zeigt, wo gesucht wird: nach Verfahren, die
gezielt wirken. Denn das Grundproblem heutiger Köderfallen ist bekannt — sie fangen
zu viel, was nicht gemeint ist.
Was zum Schutz des Bienenstands belegt ist
Die Niederlande zählen auf Freiwillige
In den Niederlanden verlief die Woche anders als anderswo: Dort organisiert sich
die Suche von unten. Die Gemeinde Moerdijk rief dazu auf, nach oben zu schauen und
Nester zu melden. In Staphorst spürten Freiwillige ein Nest auf, in Wierden wurde
das erste Nest überhaupt entdeckt und entfernt, in Voorschoten eines beseitigt.
Ein Bekämpfer aus Hengelo beschrieb im Gespräch mit Twente FM, womit er es zu tun
hat: „Sie gehen sofort in den Angriff."
Was Imker diese Woche bewegte
Die deutschen Berichte trugen einen anderen Ton als die Verwaltungsmeldungen. In
Düsseldorf schlugen Imker Alarm (NRZ). Aus Neustadt kam eine Prognose, die
aufhorchen lässt: „Nächstes Jahr 100 Nester" (HAZ). Und NN.de zitierte
einen Satz, der die Sorge auf den Punkt bringt:
„Dann stirbt bei uns die Imkerei aus."
Solche Sätze sind keine Statistik. Aber sie beschreiben, wie die Lage an
Bienenständen ankommt — und warum die Bereitschaft, selbst zu suchen und zu melden,
gerade wächst.
Die Woche in Zahlen
| Sichtungen europaweit | 3.186 — nicht vergleichbar, siehe Hinweis |
| davon in Deutschland | 558 — nicht vergleichbar, siehe Hinweis |
| Veränderung zur Vorwoche | nicht ausweisbar |
| Schwerpunkt Deutschland | Nordrhein-Westfalen |
| Presseberichte ausgewertet | 64 aus 7 Ländern |
| neue Fachveröffentlichungen | 7 |
*Vier neue Arbeiten, hier auf Deutsch zusammengefasst. Die Originale sind
englischsprachig und stehen hinter den Verweisen.*
Bürgerbeteiligung: nur jede dritte Meldung stimmt
Eine spanische Arbeitsgruppe hat acht Jahre Bürgermeldungen ausgewertet —
1.329 geprüfte Meldungen aus der Plattform VespApp, 2016 bis 2024. Das Ergebnis
ist ernüchternd und lehrreich zugleich.
| Was gemeldet wurde | Anteil richtig |
| Nester | 65,4 % |
| einzelne Insekten | 18,5 % |
| insgesamt | 29,3 % |
Wer ein Nest meldet, liegt in zwei von drei Fällen richtig. Wer ein einzelnes Tier
meldet, liegt in vier von fünf Fällen daneben — meist verwechselt mit heimischen
Arten, vor allem Dolchwespen und anderen Faltenwespen.
Der zweite Befund betrifft die Beteiligung: Nur 8,11 Prozent der Meldenden
schickten je eine zweite Meldung. Die Bestimmungsfähigkeit der Öffentlichkeit
wächst über die Jahre, die Beteiligung aber nicht — sie flaut ab, sobald die Art
nicht mehr neu ist.
Was das für uns heißt: Ein Foto ist keine Formsache. Es ist der Unterschied
zwischen 29 und 65 Prozent Treffsicherheit. Und: Wer einmal meldet, meldet meist
nicht wieder — ein Grund mehr, den Weg so kurz wie möglich zu halten.
*Herrera et al., Journal of Applied Entomology, 14.07.2026 —
Krankheitserreger im Nest: was Portugal gefunden hat
Eine portugiesische Untersuchung hat 534 Proben aus 38 Nestern in den Regionen
Aveiro und Coimbra geprüft — Larven, Puppen, erwachsene Tiere und Königinnen. Die
Frage: Tragen die Hornissen Bienenkrankheiten in sich?
Sie tun es, und zwar durchgehend:
| Erreger | in wie vielen Proben |
| Flügeldeformationsvirus (DWV) | 70,4 % |
| Nosema ceranae | 42,7 % |
| Schwarzzellenvirus (BQCV) | 44,8 % |
| Chronisches Bienenparalysevirus | 33,9 % |
Bemerkenswert ist, wo die Erreger gefunden wurden: in allen Entwicklungsstadien,
auch in Larven und Puppen, die den Bienenstand nie gesehen haben. Das deutet auf
mehrere Übertragungswege im Nest hin — möglicherweise auch von der Königin auf die
Brut.
Was das für uns heißt: Die Hornisse frisst nicht nur Bienen. Sie trägt deren
Krankheiten mit sich und könnte sie weiterverbreiten. Die Autoren sprechen von
„Anlass zur Sorge über artübergreifende Übertragung". Belastbare Aussagen darüber,
ob sie Völker tatsächlich ansteckt, gibt es noch nicht.
*Santos et al., Biological Invasions, 01.07.2026 —
DOI 10.1007/s10530-026-03878-4*
Korea: ein natürlicher Feind zeigt sich
In Südkorea ist die Art seit rund zwanzig Jahren etabliert. Lange galt: Sie hat dort
keine natürlichen Feinde — das ist der Grund, warum eingeschleppte Arten so schnell
wachsen.
Nun wurde erstmals eine Fleischfliege (Parasarcophaga similis) in
Hornissenlarven gefunden. Die genetische Prüfung zeigt: Es sind koreanische Tiere,
nahe verwandt mit chinesischen, deutlich getrennt von europäischen.
Was das für uns heißt: Einheimische Parasiten können lernen, die eingeschleppte
Art zu befallen. Das braucht Zeit — in Korea offenbar zwei Jahrzehnte. Ob sich in
Europa Ähnliches entwickelt, ist offen. Als Bekämpfungsmittel taugt der Befund
vorerst nicht.
*Hong et al., Journal of Asia-Pacific Biodiversity, 01.07.2026 —
DOI 10.1016/j.japb.2026.06.001*
Weltweite Bestandsaufnahme 2025
Achtzehn Forschende aus zwölf Ländern haben zusammengetragen, wo die Art im Jahr
2025 überall steht. Die Arbeit erschien am 18. August im *European Journal of
Entomology* und ist frei zugänglich — sie ist die derzeit aktuellste Übersicht
über den weltweiten Stand der Ausbreitung.
*Rojas-Nossa et al., European Journal of Entomology, 18.08.2026 —
*Für diesen Teil werden Veröffentlichungen der letzten 30 Tage ausgewertet,
unabhängig von der Sprache des Originals. Zusammengefasst wird auf Deutsch; jede
Aussage stammt aus der verlinkten Arbeit. Wo eine Arbeit nur eine Vermutung
formuliert, steht das hier auch so.*
*Dieser Bericht wertet öffentlich zugängliche Medienberichte und die Sichtungsdaten
von velutinafinder.de aus. Die verlinkten Originalberichte stehen bei den jeweiligen
Medien; wir geben wieder, was dort berichtet wurde. Zahlen aus unserer Datenbank
stammen aus eigenen Meldungen sowie aus GBIF, iNaturalist und Observation.org.*