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Wochenrückblick · 2026, Kalenderwoche 27

Die Hornisse trägt Bienenkrankheiten — ein Befund, der die Imkerei angeht

Wochenrückblick 29. Juni bis 5. Juli 2026 (KW 27)

Eine portugiesische Arbeitsgruppe hat 534 Proben aus 38 Nestern untersucht und in allen Entwicklungsstadien der Asiatischen Hornisse Krankheitserreger der Honigbiene gefunden — allen voran das Flügeldeformationsvirus in 70 Prozent der Proben. Damit steht neben dem Räuber ein zweiter Wirkungsweg im Raum. In Valencia wird das erste Nest beseitigt, während die Königin bereits am nächsten baut. Und das ZDF nimmt sich des Themas an.

Teil 1 — Die Woche

Valencia: das erste Nest ist weg, das zweite entsteht

Am 30. Juni schrieb Levante-EMV einen Satz, der die Nestbiologie in einer Zeile erklärt: Das erste in Valencia gefundene Nest sei nicht das gefährliche — die Königin baue bereits ein viel größeres. Am 2. Juli meldete dasselbe Blatt, das erste Nest sei beseitigt worden.

Gemeint ist der Umzug vom Primär- ins Sekundärnest. Im Frühjahr legt die Gründerin allein ein kleines Nest an, oft in Bodennähe und geschützt. Sobald genügend Arbeiterinnen da sind, wird ein neues Nest im Kronenraum gebaut, in das das Volk umzieht; das alte bleibt leer zurück. Wer im Juli das Primärnest findet und entfernt, kommt in aller Regel zu spät — das Volk ist bereits umgezogen und wächst anderswo weiter. Das ist der Grund, warum Fachleute im Mai zur Entfernung raten und ab Juni zur Nestsuche im Kronenraum.

COPE meldete am 1. Juli, die Art rücke in der Region Valencia vor und bedrohe das Ökosystem.

Wie ein Nest aufgebaut ist und wann es sichtbar wird

Valls: 747 Königinnen in der ersten Kampagne

Am 2. Juli zog der Diari de Tarragona Bilanz: Valls hat in seiner ersten vorbeugenden Kampagne 747 Königinnen gefangen. Im Mai waren es nach zehn Tagen 280 gewesen.

Es ist die erste Kampagne dieser Stadt überhaupt — die Zahl beschreibt also nicht den Erfolg einer eingespielten Bekämpfung, sondern den Bestand, der vorher unbemerkt da war.

ZDF: woran man sie erkennt

Am 3. Juli berichtete ZDFheute über die Asiatische Hornisse „auf dem Vormarsch" und erklärte, woran man das Insekt erkennt und wie man sich verhält.

Damit haben in diesem Jahr nacheinander bienen&natur, der WDR, der SWR, DIE ZEIT, die WELT und das ZDF berichtet — eine vollständige Abfolge von der Fachpresse bis zum öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Für die Meldezahlen ist das erheblich: Wer die Art nicht kennt, meldet sie nicht.

In den Niederlanden räumte laut Zenderstreeknieuws am 2. Juli ein Bienenzuchtverein die ersten Nester des Jahres.

Teil 2 — Aus der Forschung

Bienenkrankheiten in jedem Entwicklungsstadium

Soraia Santos, Rossella Tiritelli, Nuno Capela, Paula Souto und Valeria Caringi: „Detection of bee-associated pathogens in different developmental stages within the nest of the invasive hornet Vespa velutina nigrithorax". Biological Invasions, 1. Juli 2026. DOI 10.1007/s10530-026-03878-4 — frei zugänglich.

Die Gruppe hat 534 Proben aus 38 Nestern in den portugiesischen Regionen Aveiro und Coimbra untersucht — Larven, Puppen, erwachsene Tiere und Königinnen — und mit quantitativer PCR auf die wichtigsten Bienenkrankheiten geprüft.

Gefunden wurde das Flügeldeformationsvirus DWV in 70,4 Prozent der Proben, und zwar in sehr hoher Menge. Es folgten Nosema ceranae mit 42,7 Prozent, das Schwarze Königinnenzellenvirus BQCV mit 44,8 Prozent und das Chronische Bienenparalysevirus CBPV mit 33,9 Prozent. Die Erreger traten in allen Entwicklungsstadien auf. Die Autoren schließen daraus auf mehrere Übertragungswege innerhalb des Nests und halten eine Weitergabe von der Königin an die Nachkommen für möglich. In der Region Aveiro waren die Erregermengen deutlich höher, was die Autoren mit Umweltbedingungen und dem Alter der Nester in Verbindung bringen.

Was das für uns heißt: Bisher galt die Asiatische Hornisse als Räuber — sie fängt Sammlerinnen vor dem Flugloch und schwächt so das Volk. Diese Arbeit legt einen zweiten Wirkungsweg nahe: Ein Tier, das erkrankte Bienen frisst und die Erreger vermehrt in sich trägt, kann sie beim nächsten Beuteflug an ein anderes Volk weitergeben. Das Flügeldeformationsvirus ist der Erreger, der in Verbindung mit der Varroamilbe für viele Winterverluste verantwortlich gemacht wird.

Bewiesen ist damit noch nicht, dass die Übertragung tatsächlich stattfindet — nachgewiesen ist der Erreger im Tier, nicht der Weg zurück in ein gesundes Volk. Die Autoren selbst sprechen von Anlass zur Sorge, nicht von einem Nachweis. Für die Praxis heißt das vorerst: Ein Bienenstand mit Hornissendruck ist möglicherweise nicht nur einem Räuber ausgesetzt, sondern auch einem zusätzlichen Krankheitsrisiko. Die üblichen Gesundheitskontrollen werden dadurch nicht weniger wichtig.

Was am Bienenstand beobachtet wird

Zwei weitere Arbeiten

Journal of Asia-Pacific Biodiversity meldete am 1. Juli den Erstnachweis der Fliege Parasarcophaga similis als möglichen Parasiten von Vespa velutina nigrithorax in Korea (DOI 10.1016/j.japb.2026.06.001). Eine Fliege, deren Larven in den Nestern der Hornisse leben, wäre ein natürlicher Gegenspieler — dieselbe Einschränkung wie bei den Räubern gilt allerdings auch hier: Nachgewiesen ist das Vorkommen, nicht die Wirkung auf die Population.

Natural Product Research veröffentlichte eine Untersuchung entzündungshemmender Inhaltsstoffe von Vespa velutina auraria (DOI 10.1080/14786419.2026.2696949) — eine pharmakologische Arbeit zu einer anderen Unterart, ohne Bezug zur europäischen Lage.

Die Woche in Zahlen

KennzahlWert
Sichtungen europaweit446
davon in Deutschland29
Veränderung zur Vorwoche+40 Prozent (318)
Presseberichte ausgewertet6 aus 3 Ländern
Fachveröffentlichungen3
eigene Nutzermeldungen1

Quellen: eigene Sichtungsdatenbank (Stand der jeweiligen Woche), GBIF, iNaturalist und Observation.org sowie öffentlich zugängliche Nachrichtenquellen in sieben Sprachen. Fachveröffentlichungen über Crossref und OpenAlex. Verlinkt und zitiert wird jeweils das Original; wir geben wieder, was dort berichtet wurde.

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