Zwei Meldungen dieser Woche zeigen, wie unterschiedlich weit die Länder sind. In Baden-Württemberg teilt ein Landkreis mit, dass die Entfernung eines Nests gefördert werden kann. In Neuseeland, wo die Art noch gar nicht angekommen ist, holt man sich Hornissenjäger aus Kent und Sussex, um für den Ernstfall zu üben. Dazu erschienen zwei Arbeiten, von denen eine erklärt, warum nur wenige Nester für die Ausbreitung wirklich zählen.
Teil 1 — Die Woche
Main-Tauber-Kreis: Meldung an die Landesanstalt, Entfernung kann gefördert werden
Am 22. April veröffentlichte der Main-Tauber-Kreis eine Bürgerinformation: Nester sind an die Landesanstalt zu melden, und die Entfernung kann finanziell gefördert werden.
Das ist die praktisch wichtigste deutsche Meldung dieser Woche, weil sie die Kostenfrage berührt. Ein Nest im Kronenraum verlangt eine Hubarbeitsbühne; wer diese Kosten allein trägt, meldet im Zweifel gar nicht erst. Zwei Wochen zuvor hatte Luxemburg eine Prämie von bis zu 300 Euro angekündigt — und in dieser Woche meldete contacto.lu am 23. April, die Stadt Luxemburg biete die Beseitigung sogar kostenlos an.
In Baden-Württemberg ist die Landesanstalt für Bienenkunde in Hohenheim die zuständige Stelle. Wer dort meldet, bekommt die Bestimmung bestätigt und wird an die Fachleute verwiesen, die das Nest entfernen.
Meldewege und Meldepflicht im Überblick
Neuseeland übt mit britischen Jägern
Am 26. April meldete die BBC, Neuseeland ziehe Hornissenjäger aus Kent und Sussex hinzu. Neuseeland hat keinen Bestand der Asiatischen Hornisse — es bereitet sich auf einen möglichen Eintrag vor und holt sich dafür Erfahrung aus dem Land, das seit Jahren auf vollständige Tilgung setzt.
Am selben Tag berichtete die BBC aus Nordirland, dort seien Fallen aufgestellt worden, um zu prüfen, ob die Art den Winter überstanden habe. Das ist die entscheidende Frage jedes Erstbefallsgebiets: Ein einzelnes eingeschlepptes Tier stirbt; erst wenn begattete Jungköniginnen den Winter überdauern, ist eine Population entstanden.
Coimbra: die Hornisse auf dem Studentenfest
Aus Portugal meldeten am 26. April gleich drei Redaktionen — Diário As Beiras, Diário de Coimbra und Notícias de Coimbra — dasselbe: Bei der Queima das Fitas, dem großen Studentenfest von Coimbra, wurde die Vespa asiática bestätigt.
Die Meldung wirkt beiläufig, steht aber für ein Muster, das sich durch das ganze Jahr zieht: Die Art wird dort zum Thema, wo viele Menschen zusammenkommen und Zucker im Spiel ist. Am 20. April hatte Barlavento gemeldet, ein Fund in Silves führe zur Verstärkung der Fallen im Kreis.
Valladolid und die niederländische Umbenennung
Am 21. April berichtete der Diario de Valladolid, die Feuerwehr habe in der Avenida Gijón ein Nest entfernt — Valladolid liegt in Kastilien-León, weit im Landesinneren.
Aus den Niederlanden trug die Utrechtse Internet Courant am 20. April die Umbenennung zur geelpoothoornaar nach. Die Gemeinden Zoetermeer und Wassenaar stellten am 21. April Informationsseiten online, Uitgeester.nl erklärte am 26. April, wie man mithelfen kann. Die Union nationale de l'apiculture française wies am 21. April auf die öffentliche Konsultation zum nationalen Plan hin.
Zur Zahl dieser Woche
Unsere Datenbank weist für diese Woche 164 Sichtungen aus, 52 davon in Deutschland. Diese Zahl ist mit den Vorwochen nicht vergleichbar: In dieser und der folgenden Woche fehlen die Daten von GBIF vollständig, es liegen allein die Meldungen von iNaturalist vor. Der scheinbare Rückgang gegenüber der Vorwoche ist deshalb kein Rückgang der Sichtungen, sondern eine Lücke in der Datengrundlage. Wir weisen ihn nicht als Veränderung aus.
Teil 2 — Aus der Forschung
Nur wenige Nester treiben die Ausbreitung
Woong-Bae Park, Chang-Jun Kim und Yuno Do: „Colony energy economics drive invasion hotspots of Vespa velutina in South Korea". Pest Management Science, 23. April 2026. DOI 10.1002/ps.70757.
Die Gruppe hat vier Jahre lang landesweit gefangen — 304 Standorte, 32.964 Faltenwespen, davon 4.765 Vespa velutina an 173 Stellen — und die Ergebnisse mit einem Modell der Energiebilanz eines Volkes verknüpft. Die Frage dahinter: Warum breitet sich die Art in manchen Landstrichen rasant aus und in anderen kaum, obwohl sie überall nachgewiesen wird?
Die Antwort liegt in der Größe der Völker. In zwei südlichen Küstenregionen erreichten die meisten Völker mehr als 6.000 Arbeiterinnen, überschritten damit die Schwelle der Energiefähigkeit, brachten sehr viele Jungköniginnen hervor — bis an die Modellobergrenze von 350 — und hatten ein Ausbreitungsvermögen von mindestens 40 Kilometern. Viele Völker im Landesinneren und im Norden blieben dagegen unter dieser Schwelle: Sie werden zwar gefunden, produzieren aber kaum Nachkommen. Die Autoren nennen das eine „demografische Senke".
Die Zahl der Jungköniginnen wuchs steil mit der Endgröße des Volkes (Korrelation etwa 0,91), und die Ausbreitung hing an der Zahl der Königinnen. Eine Minderheit der Nester erklärt damit den Großteil der Ausbreitung. Als Empfehlung nennen die Autoren, Entdeckung und Entfernung besonders ertragreicher Völker in Küstenlagen und in der Nähe von Bienenständen vorzuziehen und Überwachungsgürtel von mindestens 40 Kilometern anzulegen. Flächendeckende Bekämpfung in Senkenregionen bringe wenig.
Was das für uns heißt: Der Befund verschiebt die Frage von „wie viele Nester haben wir entfernt" zu „welche Nester haben wir entfernt". Ein großes, spät im Jahr stehendes Nest in einer günstigen Lage wiegt viele kleine auf. Für Deutschland, wo die Bestände noch dünn sind, ist der 40-Kilometer-Puffer die interessantere Zahl: Ein einzelner Fund bedeutet, dass im Umkreis von 40 Kilometern weitere Nester stehen können. Übertragen lässt sich das Ergebnis nicht eins zu eins — Korea hat andere Landschaften und mit Vespa mandarinia eine Konkurrenz, die es hier nicht gibt.
Verfahren zur Nestortung im Überblick
Was sie frisst, prägt ihre Darmflora
Cayetano Herrera, Iris Alemany, Mar Leza und José A. Jurado-Rivera: „Diet breadth shapes gut microbiota in the invasive hornet Vespa velutina". Insect Conservation and Diversity, 24. April 2026. DOI 10.1111/icad.70082 — frei zugänglich.
Die Arbeitsgruppe hat Larven aus sieben Nestern auf Mallorca untersucht und mit DNA-Analysen gleichzeitig bestimmt, was verfüttert wurde und welche Bakterien im Darm sitzen. Ergebnis: Je breiter das Nahrungsspektrum, desto vielfältiger die Darmflora. Die häufigsten Bakteriengruppen waren Firmicutes mit 49,4 Prozent und Actinobacteriota mit 31,7 Prozent. Von 26 belastbaren Zusammenhängen zwischen Nahrung und Bakterien entfielen die meisten auf Schmetterlinge als Beutegruppe.
Was das für uns heißt: Zweierlei. Erstens fällt beiläufig ein Befund ab, der die europäische Debatte betrifft: In den untersuchten Nestern spielten Schmetterlinge als Beute eine große Rolle. Die Diskussion dreht sich fast ausschließlich um Honigbienen — das Beutespektrum ist erheblich breiter. Zweitens deuten die Autoren die anpassungsfähige Darmflora als einen Baustein des Invasionserfolgs: Ein Tier, das seine Verdauung an wechselnde Beute anpassen kann, kommt in einer fremden Landschaft besser zurecht.
Die Woche in Zahlen
| Kennzahl | Wert |
| Sichtungen europaweit | 164 — nicht vergleichbar, siehe Hinweis |
| davon in Deutschland | 52 — nicht vergleichbar, siehe Hinweis |
| Veränderung zur Vorwoche | nicht ausweisbar |
| Presseberichte ausgewertet | 14 aus 6 Ländern |
| Fachveröffentlichungen | 2 |
| eigene Nutzermeldungen | 0 |
Hinweis zur Datengrundlage: In dieser Woche fehlen die Meldungen von GBIF vollständig; es liegen allein die Daten von iNaturalist vor. Die Sichtungszahl ist deshalb nicht mit anderen Wochen vergleichbar und bildet keinen Rückgang ab.
Quellen: eigene Sichtungsdatenbank (Stand der jeweiligen Woche), GBIF, iNaturalist und Observation.org sowie öffentlich zugängliche Nachrichtenquellen in sieben Sprachen. Fachveröffentlichungen über Crossref und OpenAlex. Verlinkt und zitiert wird jeweils das Original; wir geben wieder, was dort berichtet wurde.