Die Zahl der europaweiten Sichtungen in unserer Datenbank hat sich gegenüber der Vorwoche fast verdreifacht: von 627 auf 1.762, ein Plus von 181 Prozent. In Deutschland stieg sie auf 116. Es ist der stärkste Sprung des bisherigen Jahres, und er hat eine einfache Ursache: Die überwinterten Gründerinnen fliegen. Aus Frankreich, Jersey, Spanien und erstmals in diesem Jahr auch aus der deutschen Fachpresse kamen Beiträge, die alle dieselbe Botschaft tragen — jetzt entscheidet sich die Saison.
Teil 1 — Die Woche
Der Sprung um 181 Prozent
1.762 Sichtungen in einer Woche sind mehr als in den ersten sechs Wochen des Jahres zusammen. Solche Sprünge entstehen nicht durch eine plötzliche Vermehrung — die Tiere sind bereits da —, sondern durch Sichtbarkeit. Eine Gründerin, die im Vorjahr begattet wurde und den Winter in einer Ritze, unter Rinde oder im Boden überdauert hat, verlässt bei ansteigenden Temperaturen ihr Versteck und sucht Zucker: an Frühblühern, an austretendem Baumsaft, an Fallen. In diesem Moment wird sie zum ersten Mal seit dem Herbst wieder gesehen und gemeldet.
Der deutsche Anteil von 116 Sichtungen ist der höchste Wochenwert des Jahres bis dahin. Das Muster folgt dem europäischen mit dem üblichen zeitlichen Versatz von etwa zwei Wochen, der sich aus der nördlicheren Lage und den niedrigeren Frühjahrstemperaturen ergibt.
Zur Live-Karte der europäischen Sichtungen
Die erste deutsche Fachstimme des Jahres
Am 17. März veröffentlichte bienen&natur einen Beitrag mit dem Titel „Asiatische Hornisse: Erste Königinnen unterwegs — was jetzt zu tun ist". Es ist der erste Beitrag einer deutschen Fachredaktion in unserer Auswertung dieses Jahres, und sein Erscheinungsdatum fällt genau in die Woche des größten Anstiegs.
Das ist bemerkenswert für die Frage, wann Information ankommt. Französische, spanische und portugiesische Gemeinden hatten ihre Frühjahrsaufrufe zwei bis drei Wochen früher veröffentlicht. Der Grund ist nicht Nachlässigkeit, sondern Klima: In Südwestfrankreich fliegen die Gründerinnen früher als in Mitteldeutschland.
Was im Frühjahr am Bienenstand beobachtet wird
Jersey baut ein Meldesystem auf
Zwei Meldungen der BBC aus derselben Woche zeigen, wie eine Verwaltung ein Meldenetz aufsetzt. Am 19. März wurde der Start einer Karte gemeldet, auf der Sichtungen auf Jersey eingetragen werden können. Am 22. März suchte man Gastgeber für Fallen, weil die Königinnen schlüpften.
Beides zusammen ergibt die Grundstruktur eines Bürgermeldesystems: eine Karte, auf der jede Meldung sichtbar wird, und ein Netz von Fallen in Privatgärten, das Fläche abdeckt, die keine Behörde selbst betreuen könnte. Auf einer Insel von 118 Quadratkilometern lässt sich das vollständig organisieren — der Modellcharakter für größere Gebiete ist entsprechend begrenzt, das Prinzip aber übertragbar.
Frankreich sucht Freiwillige
Am 16. März rief die Ville de Charleville-Mézières in den Ardennen zu freiwilligen Fallenstellern auf. ici.fr erklärte am selben Tag, wie man die Art erkennt, meldet und „die Invasion vor dem Sommer stoppt". Am 21. März fragte Radio France, wie in der Moselle vorzugehen sei.
Charleville-Mézières und die Moselle liegen im Nordosten Frankreichs, unmittelbar an der belgischen und deutschen Grenze — also in dem Gebiet, aus dem heraus die Ausbreitung nach Deutschland erfolgt. Was dort im Frühjahr geschieht, ist für die Lage in Rheinland-Pfalz und im Saarland der Vormonat.
Spanien: die Krise des Imkereisektors
agronewscastillayleon.com veröffentlichte am 19. März einen Beitrag über „sieben Schlüssel zur Bedrohung durch die Avispa asiática und zur Krise des Imkereisektors 2026". Die Verknüpfung im Titel ist die Perspektive, die in der öffentlichen Debatte oft fehlt: Für Berufsimkereien ist die Art kein Naturschutzthema, sondern eine betriebswirtschaftliche Größe — Völkerverluste, Ertragsausfälle, zusätzlicher Arbeitsaufwand für Schutzmaßnahmen am Flugloch.
Die Woche in Zahlen
| Kennzahl | Wert |
| Sichtungen europaweit | 1.762 |
| davon in Deutschland | 116 |
| Veränderung zur Vorwoche | +181 Prozent (627) |
| Presseberichte ausgewertet | 7 aus 4 Ländern |
| eigene Nutzermeldungen | 0 |
Quellen: eigene Sichtungsdatenbank (Stand der jeweiligen Woche), GBIF, iNaturalist und Observation.org sowie öffentlich zugängliche Nachrichtenquellen in sieben Sprachen. Verlinkt und zitiert wird jeweils das Original; wir geben wieder, was dort berichtet wurde.