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Wochenrückblick · 2026, Kalenderwoche 11

Zwei Studien stellen Grundannahmen infrage — und Utrecht gibt die Tilgung auf

Wochenrückblick 9. bis 15. März 2026 (KW 11)

In der Woche, in der überall in Westeuropa Fallen aufgehängt wurden, erschienen zwei Arbeiten, die zwei Grundannahmen prüfen: Eine spanische Untersuchung findet keinen Anstieg der Todesfälle durch Hymenopterenstiche, seit die Asiatische Hornisse im Land ist. Eine portugiesische Gruppe zeigt, dass in Köderfallen über 98,5 Prozent der Fänge andere Insekten sind. Zugleich erklärte die Provinz Utrecht die vollständige Tilgung für nicht mehr möglich. 627 Sichtungen, 28 davon in Deutschland.

Teil 1 — Die Woche

Utrecht: das Ende der Tilgungsstrategie

Am 11. März meldete destadamersfoort.nl, die Ausrottung der Aziatische hoornaar sei nach Auffassung der Provinz nicht länger möglich; künftig gelte ein „gerichteter Ansatz". Einen Tag später berichtete die Utrechtse Internet Courant, die Provinz Utrecht werde die Art wegen des explosiven Wachstums nur noch gezielt bekämpfen.

Das ist eine Zäsur. Die Tilgungsstrategie beruht auf der Annahme, dass jedes einzelne Nest gefunden und beseitigt werden kann, solange die Zahl klein bleibt. Ist dieser Punkt überschritten, wechselt die Aufgabe von der Beseitigung einer Art zum Schutz einzelner Güter — Bienenstände, Schulhöfe, Wohngebiete. Großbritannien hält an der Tilgung fest, Frankreich hat sie nie versucht, die Niederlande vollziehen in dieser Woche den Übergang.

Die Gemeente Helmond stellte am 10. März eine eigene Informationsseite online — kommunale Aufklärung wird zur Regelaufgabe, wenn die zentrale Bekämpfung entfällt.

Meldewege und Meldepflicht im Überblick

Drohnen für die Nestsuche

Omroep Gelderland berichtete am 9. März, niederländische Bienenzuchtvereine wollten die Art mit einer Drohne aufspüren. Damit steht neben der Sendertelemetrie und dem klassischen Anlocken an Zuckerquellen ein drittes Verfahren im Feld.

Die Aufgabe ist in allen Fällen dieselbe: Ein Nest hängt oft 15 bis 30 Meter hoch im Kronenraum und ist im belaubten Zustand von unten kaum zu sehen. Eine Drohne kann den Kronenbereich von oben und seitlich absuchen, ohne dass jemand klettern muss.

Verfahren zur Nestortung im Überblick

Guernsey und Jersey: früher Nestfund auf den Kanalinseln

Am 10. März meldeten BBC und ITV News eine Warnung auf Guernsey nach einem frühen Nestfund; die Bewohner wurden zur Aufmerksamkeit aufgerufen. Am 11. März berichtete Bailiwick Express über eine Sichtung in St Saviour, die früh Alarm auslöse. The Connexion rief am selben Tag dazu auf, in ganz Frankreich Fallen aufzustellen.

Die Kanalinseln liegen wenige Kilometer vor der französischen Küste und sind Britanniens am stärksten betroffener Landesteil. Ein Nestfund im März bedeutet dort, dass eine Gründerin bereits ein Primärnest angelegt hat — deutlich früher als auf dem britischen Festland.

Das Tessin bereitet sich vor, Ligurien informiert

Ticinonline schrieb am 10. März, der Calabrone asiatico sei nahe der Grenze und das Tessin bereite seine Abwehr vor; RSI, die italienischsprachige Schweizer Rundfunkanstalt, behandelte am 11. März „das Problem der Vespa velutina". In Quiliano bei Savona lud man laut IVG.it zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung.

Am 13. März brachte die Quotidiano Nazionale den fachlich präzisesten Beitrag der Woche: Die ersten Königinnen seien auf Zuckersuche, und eine Entomologin werde mit der Einschätzung zitiert, dies sei der richtige Zeitraum, um Fallen aufzustellen.

Spanien und Portugal: die Frühjahrskampagnen laufen

Campo Galego schrieb am 10. März, der Fang von Königinnen im Frühjahr sei der Schlüssel zur Verhinderung der Ausbreitung. Die kantabrischen Gemeinden Marina de Cudeyo und Santa Cruz de Bezana kündigten am 11. und 12. März ihre Kampagnen an. Aus Portugal meldete das Portal Municipal de Valença am 11. März eine Sensibilisierung der Imker.

Dieser Konsens der Verwaltungen trifft in derselben Woche auf eine Untersuchung, die genau dieses Verfahren prüft.

Teil 2 — Aus der Forschung

In Köderfallen sind 98,5 Prozent der Fänge unbeteiligte Insekten

Leonor Fernandes, Paula Souto, Antonio J. Marquez Aguilar, Hugo Gaspar und J. A. Sousa: „Baited traps used to control the invasive species Vespa velutina nigrithorax are contributing to a reduction in insect biodiversity". Journal of Pest Science, 10. März 2026. DOI 10.1007/s10340-026-02020-6 — frei zugänglich.

Die Gruppe hat selbstgebaute und gekaufte Fallen mit verschiedenen Ködern daraufhin untersucht, was tatsächlich hineingerät. Das Ergebnis ist eindeutig: In den meisten Köderfallen sind mehr als 98,5 Prozent der gefangenen Insekten keine Vespa velutina nigrithorax. Die Autoren folgern, dass die Selektivität dringend erhöht werden muss.

Sie haben zugleich Alternativen geprüft. Eine der untersuchten Bauarten, von den Autoren als NATIVA bezeichnet, verringerte den Beifang von Nichtzielorganismen um 96 Prozent.

Was das für uns heißt: Wer im Frühjahr eine unselektive Köderfalle aufhängt, fängt nach diesen Zahlen auf 200 gefangene Insekten etwa drei Hornissen — und knapp 200 andere, darunter Wildbienen, Schwebfliegen und Schmetterlinge, also genau jene Insektenwelt, deren Schutz das Aufhängen begründen soll. Der Befund spricht nicht gegen das Fangen, sondern gegen die unselektive Falle. Auf die Bauart und den Köder kommt es an; Ausflugöffnungen mit passender Größe und Rückkehrmöglichkeit für kleinere Insekten sind die entscheidenden Merkmale. Wer Fallen einsetzt, sollte die Vorgaben der zuständigen Landesstelle beachten — in mehreren Bundesländern ist das unselektive Fangen ausdrücklich unerwünscht.

Spanien: kein Anstieg der Todesfälle

Cayetano Herrera und Mar Leza: „No evidence of increased mortality associated with Vespa velutina (Hymenoptera: Vespidae) spread in Spain". Journal of Medical Entomology, 9. März 2026. DOI 10.1093/jme/tjag039.

Die Autoren haben die amtlich bescheinigten Todesfälle ausgewertet, die in Spanien über mehrere Jahrzehnte hinweg auf Kontakt mit Hornissen, Wespen und Bienen zurückgeführt wurden — also über den gesamten Zeitraum, in dem sich Vespa velutina im Land angesiedelt und ausgebreitet hat.

Der Befund: Die Sterblichkeit blieb über die Zeit stabil und veränderte sich in der Phase der Etablierung nicht. Die Autoren schließen daraus, dass eine Invasion allein nicht in messbare Todesfälle auf Bevölkerungsebene übersetzt werden darf, und mahnen, zwischen einer erhöhten Begegnungswahrscheinlichkeit und dem Fortschreiten bis zur tödlichen Anaphylaxie zu unterscheiden. Ausdrücklich fordern sie eine „akkurate öffentliche Kommunikation".

Was das für uns heißt: Der Befund entlastet nicht die Imkerei — für Bienenvölker ist die Art unverändert ein Problem. Er ordnet aber die verbreitete Rede von der tödlichen Gefahr für den Menschen ein. Wer allergisch auf Insektenstiche reagiert, muss weiterhin vorsorgen; für die übrige Bevölkerung steht nach dieser Auswertung keine messbare Zunahme tödlicher Verläufe hinter der Ausbreitung. Das ist auch für die Ansprache von Nachbarn und Gemeinden nützlich: Sachliche Zahlen tragen weiter als Angst.

Die Woche in Zahlen

KennzahlWert
Sichtungen europaweit627
davon in Deutschland28
Veränderung zur Vorwoche−11 Prozent (707)
Presseberichte ausgewertet18 aus 6 Ländern
Fachveröffentlichungen2
eigene Nutzermeldungen0

Quellen: eigene Sichtungsdatenbank (Stand der jeweiligen Woche), GBIF, iNaturalist und Observation.org sowie öffentlich zugängliche Nachrichtenquellen in sieben Sprachen. Fachveröffentlichungen über Crossref und OpenAlex. Verlinkt und zitiert wird jeweils das Original; wir geben wieder, was dort berichtet wurde.

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