Zwei Fachveröffentlichungen dieser Woche greifen unmittelbar in die Praxis ein: Eine deutsche Arbeitsgruppe hat an 145 Nestern geprüft, ob Aktivkohle Insektizide bei der Nestvernichtung ersetzen kann, und eine spanische Gruppe hat mit 199 Fallen vermessen, wo in einer Stadt die Hornissen sitzen. Aus Frankreich, Belgien und dem Baskenland kamen Meldungen über den Beginn der Frühjahrssaison. Die Sichtungen in unserer Datenbank stiegen auf 431 — ein Plus von 79 Prozent.
Teil 1 — Die Woche
Der Frühjahrsstart wird organisiert
Die vier Presseberichte dieser Woche haben eines gemeinsam: Sie fallen alle in die Woche, in der die überwinterten Königinnen erstmals fliegen.
Die Mairie de Quéven in der Bretagne kündigte am 23. Februar einen Sensibilisierungs-Workshop zur Gelbfüßigen Hornisse an — eine Gemeindeverwaltung, die ihre Einwohner vor der Saison schult. Am 26. Februar erklärte La République des Pyrénées, wie man den Frelon asiatique loswird, und beschrieb ihn als Bienentöter, dessen Stich mitunter tödlich sein könne.
Aus Belgien meldete die brusselstimes.com am 24. Februar eine Warnung an Anwohner angesichts zunehmender Sichtungen in Brüssel. Und Radio Popular de Bilbao berichtete am 26. Februar, die baskische Gemeinde Galdames verstärke den Kampf gegen die Avispa asiática mit 58 Fallen.
Die 58 Fallen von Galdames sind die konkreteste Angabe. Sie stehen für das im Frühjahr verbreitetste Verfahren: Man versucht, die Gründerinnen abzufangen, bevor sie ein Primärnest anlegen. Wie wirksam das ist, wird in der Fachwelt seit Jahren kontrovers diskutiert — insbesondere, weil unselektive Fallen auch heimische Insekten töten.
Was im Frühjahr am Bienenstand beobachtet wird
431 Sichtungen: der zweite Sprung in Folge
Nach dem Plus von 44 Prozent in der Vorwoche legt die Zahl der Sichtungen noch einmal um 79 Prozent zu, auf 431 europaweit und 30 in Deutschland. Zwei aufeinanderfolgende Anstiege in dieser Größenordnung markieren das Ende der Winterruhe. Die Meldungen stammen zu diesem Zeitpunkt des Jahres überwiegend aus den etablierten Befallsgebieten in Frankreich, Spanien und Portugal.
Zur Live-Karte der europäischen Sichtungen
Teil 2 — Aus der Forschung
Aktivkohle: ebenso wirksam wie Insektizid, aber erlaubt
Andreas W. M. Presuhn und Uli Ernst: „Activated Charcoal: A Highly Potent Legal Alternative for Vespa velutina Nest Destruction". Preprints.org, 27. Februar 2026. DOI 10.20944/preprints202602.1501.v1 — frei zugänglich.
Die Arbeit setzt an einem praktischen Problem an. Nester hängen oft bis zu 30 Meter hoch; die Entfernung von Hand verlangt dann eine Hubarbeitsbühne und ist entsprechend aufwendig und teuer. Vom Boden aus mit einer langen Lanze zu arbeiten, ist schneller und günstiger — nur sind in vielen Ländern die dafür naheliegenden Insektizide nicht zugelassen, weil kein Präparat eigens für die Hornissenbekämpfung genehmigt ist.
Die Autoren haben deshalb Aktivkohle geprüft. In 145 Nester wurden jeweils 50 bis 100 Gramm eingebracht, danach wurden die Nester zerstört. Eine Woche später untersuchte die Gruppe, ob überlebende Arbeiterinnen ein Notnest errichtet hatten. Das war in 3 von 145 Fällen so — 2,1 Prozent. Zum Vergleich zogen die Autoren eine Insektizidbehandlung heran: dort 2 von 136 Fällen, also 1,5 Prozent.
Aktivkohle wirkt nach diesen Zahlen also praktisch ebenso zuverlässig wie ein Insektizid, ohne dessen rechtliche und ökologische Nachteile. Die Autoren nennen als Vorteile Umweltverträglichkeit, Anwendersicherheit, einfache Handhabung und rechtliche Anwendbarkeit in Europa.
Was das für uns heißt: Der bislang häufigste Einwand gegen die bodengestützte Nestbehandlung war rechtlicher Natur. Wenn sich dieses Ergebnis bestätigt, entfällt er. Zu beachten ist der Status der Veröffentlichung: Es handelt sich um einen Preprint, also um eine noch nicht von Fachkollegen begutachtete Arbeit. Für die Praxis gilt unverändert, dass die Nestentfernung Sache der dafür zuständigen und ausgebildeten Stellen ist.
Verfahren zur Nestortung im Überblick
A Coruña: Lärm und Abgase stören sie nicht
Yaiza R. Lueje, Sara V. Rodríguez-Sánchez, María J. Servia und Jaime Fagúndez: „Spatial distribution of the invasive hornet Vespa velutina along a rural-urban gradient in a coastal Spanish City". Urban Ecosystems, 23. Februar 2026. DOI 10.1007/s11252-026-01928-2 — frei zugänglich.
Die Gruppe der Universität A Coruña hat untersucht, wie sich die Hornisse innerhalb einer Stadt verteilt und wovon das abhängt. Dazu wurden Satellitendaten zur Vegetationsdecke, Messwerte zu Luftschadstoffen, Tag- und Nachtlärm sowie künstlicher Beleuchtung mit dem Fangergebnis von 199 Fallen verknüpft. Die von Bürgern gemeldete Nestdichte ging als Kontrollgröße ein, um die Nähe zu bestehenden Völkern herauszurechnen.
Das Ergebnis: Die Schwerpunkte lagen dort, wo wenig Vegetation, viel Lärm und hohe Luftbelastung herrschen. Lichtverschmutzung und Nestdichte hatten dagegen keinen statistisch belastbaren Zusammenhang, sobald die räumliche Abhängigkeit berücksichtigt wurde. Die Autoren schließen daraus, dass städtische Bedingungen die Art nicht bremsen — sie verhält sich als Generalist. Als Gegenmaßnahme schlagen sie mehr Stadtgrün und geringere Belastung vor.
Was das für uns heißt: Die verbreitete Annahme, die Hornisse sei ein Tier der Flussauen und Waldränder, greift zu kurz. Wer in der Stadt imkert, ist nicht im geschützten Raum. Für die Nestsuche bedeutet der Befund außerdem, dass Innenstadtlagen mit wenig Grün nicht ausgeschlossen werden dürfen — im Gegenteil.
Die Woche in Zahlen
| Kennzahl | Wert |
| Sichtungen europaweit | 431 |
| davon in Deutschland | 30 |
| Veränderung zur Vorwoche | +79 Prozent (241) |
| Presseberichte ausgewertet | 4 aus 4 Ländern |
| Fachveröffentlichungen | 2 |
| eigene Nutzermeldungen | 0 |
Quellen: eigene Sichtungsdatenbank (Stand der jeweiligen Woche), GBIF, iNaturalist und Observation.org sowie öffentlich zugängliche Nachrichtenquellen in sieben Sprachen. Fachveröffentlichungen über Crossref und OpenAlex. Verlinkt und zitiert wird jeweils das Original; wir geben wieder, was dort berichtet wurde.