Eine spanische Arbeitsgruppe hat ausgewertet, was acht Jahre Bürgerbeteiligung tatsächlich erbracht haben, und legt Zahlen vor, die jeden angehen, der ein Meldesystem betreibt: Von 1.329 geprüften Meldungen waren 29,3 Prozent zutreffend. Bei Nestmeldungen waren es 65,4 Prozent, bei Einzeltieren nur 18,5 Prozent. Passend dazu warnen in dieser Woche gleich zwei Redaktionen davor, heimische Arten mit der Asiatischen Hornisse zu verwechseln.
Teil 1 — Die Woche
Die Dolchwespe ist eine Verbündete
Am 15. Juli schrieb ici.fr: „Verwechseln Sie sie nicht mit dem Frelon asiatique — die Gartendolchwespe ist eine Verbündete." Einen Tag später berichtete The Connexion über einen Aufruf, eine heimische Wespe zu schützen, die für die Asiatische Hornisse gehalten wird.
Die Gartendolchwespe (Megascolia maculata) ist die größte Wespe Europas, bis zu vier Zentimeter lang, schwarz mit gelben Flecken — und für den flüchtigen Blick eine eindrucksvolle Erscheinung, die leicht für etwas Bedrohliches gehalten wird. Sie ist völlig harmlos und legt ihre Eier in Nashornkäferlarven ab. Dass genau diese Familie in der spanischen Auswertung als häufigste Verwechslung auftaucht, ist kein Zufall.
Beide Hornissenarten sicher unterscheiden
Ein zweiter Eindringling in Marseille
Am 18. Juli berichtete Sciencepost, während Frankreich den Frelon asiatique verfolge, siedle sich seit 2021 ein zweiter Eindringling in Marseille an — die Bienenstöcke der Küste zahlten bereits den Preis.
Gemeint ist die Orientalische Hornisse Vespa orientalis, die sich von Süditalien aus nach Norden ausbreitet und inzwischen Triest und die französische Mittelmeerküste erreicht hat. Eine italienische Arbeitsgruppe hatte im März molekulare Marker vorgestellt, um sie sicher von Vespa velutina und der heimischen Vespa crabro zu unterscheiden. Für Deutschland ist sie noch kein Thema — für die Bestimmungssicherheit im Mittelmeerraum bereits ein erhebliches.
Ist dieser Vogel die Lösung?
Am 15. Juli fragte WEB.DE: „Asiatische Hornisse: Ist dieser Vogel die Lösung?" Damit ist die Bienenfresser-Frage, die im Mai in Frankreich und im Juni in Doñana verhandelt wurde, in der deutschen Presse angekommen.
Die Antwort bleibt dieselbe: In einem Feuchtgebiet mit sehr hoher Dichte an Vögeln und Amphibien kann Räuberdruck entstehen. Eine Bekämpfungsstrategie folgt daraus nicht. Die koreanische Übersichtsarbeit vom April, die 17 belegte Räubergruppen zusammentrug, formulierte es zurückhaltend: örtlich und von den Umständen abhängig.
Ein Nest im Garten: Ablauf und Kosten
Am 16. Juli erklärte L'Ardennais, was zu tun ist, wenn ein Nest auf dem eigenen Grundstück hängt — und was es kostet. Am 13. Juli berichtete ladepeche.fr aus Ayguesvives, wo Gewählte und Einwohner Seite an Seite arbeiten.
Aus Portugal meldete SAPO am 15. Juli, in Viana do Castelo müssten Nester über eine städtische Plattform gemeldet werden; IOL erklärte am selben Tag, was man nach einem Stich auf keinen Fall tun sollte. La Nazione rief am 18. Juli in Italien dazu auf, jedes Nest zu melden, und Achterhoek Nieuws meldete am 16. Juli das erste Nest des Jahres in der Gemeinde Aalten.
Teil 2 — Aus der Forschung
Was acht Jahre Bürgermeldungen wirklich erbracht haben
Cayetano Herrera, Carlos Guerrero, Joan Amengual, Gabriel Arbona und Mar Leza: „Eight Years of Citizen Science Reveal Taxonomic Confusion Patterns and Dynamic Participation in the Monitoring of Vespa velutina in Spain". Journal of Applied Entomology, 14. Juli 2026. DOI 10.1111/jen.70144 — frei zugänglich.
Die Gruppe hat die Meldungen der spanischen Plattform VespApp aus acht Jahren ausgewertet — 2016 bis 2024, 1.329 geprüfte Meldungen — und gefragt, wovon die Trefferquote abhängt und wer überhaupt meldet.
Die zentrale Zahl: 29,3 Prozent aller Meldungen waren zutreffend. Dahinter verbirgt sich ein großer Unterschied. Meldungen über ein Nest trafen zu 65,4 Prozent zu, Meldungen über ein einzelnes Insekt nur zu 18,5 Prozent. Die Verwechslungen konzentrierten sich auf heimische Arten, vor allem auf Dolchwespen (Scoliidae) und andere Faltenwespen.
Die statistische Auswertung zeigte, dass die Trefferquote vom Monat und vom Stadium der Invasion abhängt — mit fortschreitender Etablierung werden die Melder sicherer. Die Zahl der Meldungen hing dagegen vom Monat und vom Zugangsweg ab: Über die App kamen deutlich mehr Meldungen herein als über die Webseite.
Der ernüchterndste Befund betrifft die Beteiligung: Nur 8,11 Prozent der Teilnehmenden meldeten mehr als einmal. Die Autoren führen das darauf zurück, dass der Neuigkeitswert nachlässt, sobald die Invasion zum Alltag gehört. Sie folgern, dass Öffentlichkeitsarbeit wiederholt und aktiv betrieben werden muss und dass mobile Anwendungen für die dauerhafte Beteiligung entscheidend sind.
Was das für uns heißt: Dieser Befund betrifft unmittelbar, was wir selbst tun. Drei Konsequenzen sind uns wichtig.
Erstens: Eine Karte, die ungeprüfte Bürgermeldungen zeigt, zeigt zu zwei Dritteln etwas anderes als die Asiatische Hornisse. Deshalb kennzeichnen wir bei uns die Herkunft jeder Sichtung und trennen eigene Meldungen von den Datensätzen aus GBIF, iNaturalist und Observation.org, die eine eigene Prüfung durchlaufen haben.
Zweitens: Wer ein Nest meldet, liegt doppelt so oft richtig wie jemand, der ein einzelnes Tier meldet. Ein großes Papiernest im Kronenraum ist unverwechselbar, ein vorbeifliegendes Insekt nicht. Eine Meldung mit Foto ist deshalb erheblich mehr wert als eine ohne.
Drittens: Neun von zehn Menschen melden genau einmal. Ein Meldesystem darf sich also nicht auf einen Stamm von Fachleuten stützen — es muss beim ersten Mal verständlich sein, für jemanden, der noch nie eine Hornisse bestimmt hat.
Die Woche in Zahlen
| Kennzahl | Wert |
| Sichtungen europaweit | 566 |
| davon in Deutschland | 16 |
| Veränderung zur Vorwoche | +31 Prozent (432) |
| Presseberichte ausgewertet | 17 aus 6 Ländern |
| Fachveröffentlichungen | 1 |
| eigene Nutzermeldungen | 0 |
Quellen: eigene Sichtungsdatenbank (Stand der jeweiligen Woche), GBIF, iNaturalist und Observation.org sowie öffentlich zugängliche Nachrichtenquellen in sieben Sprachen. Fachveröffentlichungen über Crossref und OpenAlex. Verlinkt und zitiert wird jeweils das Original; wir geben wieder, was dort berichtet wurde.