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Wochenrückblick · 2026, Kalenderwoche 26

Nestsuche mit dem Handy — und die Frage, ob man ein einzelnes Tier zertreten soll

Wochenrückblick 22. bis 28. Juni 2026 (KW 26)

Aus Belgien kommt in dieser Woche ein Ansatz, der die Nestsuche verändern könnte: bezahlbare Technik auf Grundlage eines gewöhnlichen Smartphones. In Aalsmeer werden fünfzig Hornissen gefangen — und die Verantwortlichen sagen offen, dass der Beifang ein Risiko bleibt. Frankreich fordert eine europäische Antwort, und in der Provinz Valencia wird das erste Nest gefunden.

Teil 1 — Die Woche

Nestortung mit dem Smartphone

Am 25. Juni stellte VILT ein Verfahren vor, das Nester mit Hilfe eines Smartphones aufspürt und dabei als bezahlbare Technologie beworben wird.

Der Engpass jeder Bekämpfung ist das Finden. Ein Sekundärnest hängt bis zu dreißig Meter hoch im belaubten Kronenraum und ist von unten praktisch unsichtbar. Bisher gibt es drei Wege dorthin: klassisches Anlocken an einer Zuckerquelle mit anschließendem Verfolgen der Flugrichtung, Telemetrie mit einem angeklebten Sender, und Drohnen. Der erste Weg ist billig und langsam, die beiden anderen sind schnell und teuer.

Ein Verfahren, das mit einem Gerät auskommt, das ohnehin jeder hat, würde die Nestsuche von wenigen Fachleuten auf viele Beteiligte ausweiten. Wie zuverlässig es arbeitet, geht aus der Meldung nicht hervor. In der Emilia-Romagna läuft parallel ein Versuchsprojekt im Apennin, bei dem laut ModenaToday vom 22. Juni auch Drohnen zum Einsatz kommen.

Verfahren zur Nestortung im Überblick

Aalsmeer: fünfzig Tiere gefangen, „Beifang bleibt ein Risiko"

Am 27. Juni meldete NH Nieuws aus Aalsmeer fünfzig gefangene Asiatische Hornissen — und zitierte die Einschränkung gleich mit: „Bijvangst blijft een risico."

Diese Offenheit ist neu und bemerkenswert. Bis in den Mai hinein wurden Fangzahlen als reine Erfolgsmeldungen verbreitet. Seit die portugiesische Untersuchung im März gemessen hat, dass in gewöhnlichen Köderfallen über 98,5 Prozent der Fänge andere Insekten sind, taucht der Vorbehalt in der Berichterstattung auf. Fünfzig gefangene Hornissen bedeuten je nach Bauart mehrere hundert bis mehrere tausend andere Insekten.

„Zertreten Sie sie nicht"

Am 22. Juni veröffentlichte Science et vie einen Beitrag mit der Aufforderung, ein angetroffenes Tier im Sommer nicht zu zertreten — das könne die Lage verschlimmern. Am 26. Juni erklärte Futura, welcher schnelle Reflex nach einer Frühjahrssichtung eine Invasion verhindern könne.

Der Rat hat einen sachlichen Kern, wird aber oft verkürzt wiedergegeben. Ein einzelnes getötetes Tier ändert an einem bestehenden Volk nichts — es sind Tausende. Was zählt, ist die Meldung: Aus der Sichtung lässt sich der Standort eines Nests eingrenzen, aus dem toten Tier nichts. Dazu kommt die Verwechslungsgefahr mit der heimischen und geschützten Europäischen Hornisse. Wer zuerst meldet und dann handelt, macht in beiden Fällen nichts falsch.

Sichtung melden

Frankreich will eine europäische Antwort

Am 25. Juni berichtete 30 Millions d'Amis, Frankreich wolle für Frelon asiatique und Feuerameise eine europäische Antwort.

Der Vorstoß ist folgerichtig. Invasive Arten halten sich nicht an Grenzen, und die europäische Verordnung 1143/2014 regelt zwar den Umgang mit ihnen, überlässt die Umsetzung aber den Mitgliedstaaten. Das führt zu dem Bild, das dieses Jahr zeigt: Großbritannien tilgt, die Niederlande haben aufgegeben, Frankreich fördert, Deutschland regelt es je Bundesland. Ein einzelnes Land kann seine Nachbarn nicht sauber halten.

Valencia: das erste Nest der Provinz

Am 27. Juni meldete Levante-EMV, in Gilet sei das erste Nest der Provinz Valencia gefunden worden. Damit setzt sich die Bewegung nach Süden entlang der spanischen Mittelmeerküste fort.

Canal Sur erklärte am 26. Juni, wie man sich bei einem Stich verhält, und schrieb, die Art könne andere zu Hilfe rufen. Das trifft für Faltenwespen allgemein zu: Wird ein Nest bedroht, setzen Wachtiere Alarmstoffe frei, die weitere Tiere anlocken. Deshalb gilt der Abstand zum Nest als wichtigste Regel — Countryfile.com beschrieb am 23. Juni den Stich als „glühende Nadel", die stundenlang brenne, und erklärte, was danach zu tun ist.

Kanalinseln: Tausende Königinnen

Am 22. Juni meldete ITV News, auf den Kanalinseln seien in diesem Jahr Tausende Königinnen gefangen worden. Die Inseln liegen wenige Kilometer vor der französischen Küste und tragen die höchste Befallsdichte des britischen Hoheitsgebiets.

De Texelse Courant meldete am 24. Juni eine Sichtung auf Texel — die Art erreicht damit die westfriesischen Inseln. Die Gemeinde Bonchamp in der Mayenne rief laut lecourrierdelamayenne.fr am 24. Juni die „allgemeine Mobilmachung" aus, und das Naturkundemuseum Livorno bot laut LivornoToday am 27. Juni einen Kurs zum Erkennen und Unschädlichmachen an.

Die Woche in Zahlen

KennzahlWert
Sichtungen europaweit318
davon in Deutschland33
Veränderung zur Vorwoche+42 Prozent (224)
Presseberichte ausgewertet13 aus 5 Ländern
eigene Nutzermeldungen0

Quellen: eigene Sichtungsdatenbank (Stand der jeweiligen Woche), GBIF, iNaturalist und Observation.org sowie öffentlich zugängliche Nachrichtenquellen in sieben Sprachen. Verlinkt und zitiert wird jeweils das Original; wir geben wieder, was dort berichtet wurde.

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