Aus dem spanischen Nationalpark Doñana kommt in dieser Woche der interessanteste Befund: Dort halten offenbar heimische Tiere die Asiatische Hornisse in Schach, ohne dass ein Pflanzenschutzmittel eingesetzt wird. In Deutschland stellt die WELT die Frage, die viele umtreibt — bedrohliche Gefahr oder Panikmache. Und die Emilia-Romagna legt 40.000 Euro für ein Gegenprojekt bereit.
Teil 1 — Die Woche
Doñana: eine „natürliche Mauer"
Am 21. Juni berichteten OkDiario und Infobae über denselben Befund aus dem Nationalpark Doñana in Andalusien. OkDiario nannte ihn eine „natürliche Mauer", die die Avispa asiática ohne ein einziges Pestizid bremse; Infobae benannte die Beteiligten: Bienenfresser und Frösche als unerwartete Verbündete.
Der Befund fügt sich in die Übersichtsarbeit vom April, die weltweit 17 belegte Räubergruppen zusammengetragen hatte — mit dem ausdrücklichen Vorbehalt, dass die Wirkung örtlich und von den Umständen abhängig sei. Doñana ist ein Feuchtgebiet mit hoher Dichte an Vögeln und Amphibien und damit ein Sonderfall, kein Modell für einen Bienenstand am Ortsrand.
Fünf Wochen zuvor hatte ici.fr unter „Info oder Falschmeldung" gefragt, ob der Bienenfresser gegen die Hornisse helfe. Die Doñana-Beobachtung ist die differenzierte Antwort: In einem Lebensraum mit sehr vielen Fressfeinden kann Druck entstehen. Daraus folgt keine Bekämpfungsstrategie, wohl aber ein Argument für strukturreiche Landschaften.
WELT: Gefahr oder Panikmache?
Am 17. Juni fragte die WELT: „Asiatische Hornisse: Bedrohliche Gefahr oder Panikmache?"
Die Frage lässt sich nach dem Stand dieses Jahres zweiteilig beantworten. Für Menschen ohne Insektengiftallergie ist keine messbare Zunahme tödlicher Verläufe belegt — die spanische Auswertung amtlicher Sterbedaten über mehrere Jahrzehnte fand keine Veränderung. Für Bienenvölker dagegen ist die Belastung real: Spanische Verbände rechnen mit Ertragsverlusten von bis zu 65 Prozent ohne Gegenmaßnahmen, ein bretonischer Berufsimker nannte die Schäden des Vorjahres katastrophal.
Die ehrliche Antwort lautet also: keine Lebensgefahr für die Allgemeinheit, aber ein handfestes Problem für die Imkerei und offene Fragen zur übrigen Insektenwelt. Wer die eine Hälfte weglässt, betreibt entweder Verharmlosung oder Panikmache.
Beide Hornissenarten sicher unterscheiden
France Nature Environnement räumt mit Vorurteilen auf
Am 18. Juni veröffentlichte France Nature Environnement einen Beitrag unter dem Titel „Lassen Sie sich nicht länger von vorgefassten Meinungen fangen". Am selben Tag berichtete La Presse du Doubs, dort werde zum Fangen ermutigt.
Die beiden Meldungen am selben Tag zeigen die Spannung, die dieses Jahr durchzieht: Naturschutzverbände warnen vor unselektiven Fallen, während Gemeinden und Vereine zum Fangen aufrufen. Der Streit ist nicht ideologisch, sondern eine Frage der Bauart. Eine Falle, die kleineren Insekten den Ausweg lässt, senkt den Beifang nach der portugiesischen Untersuchung um bis zu 96 Prozent.
Emilia-Romagna: 40.000 Euro gegen die Ausbreitung
Am 19. Juni meldete die Regione Emilia-Romagna ein Projekt gegen die Ausbreitung der Vespa velutina. Die Gazzetta di Parma nannte am selben Tag die Summe: 40.000 Euro, auch Parma liege im Eingriffsgebiet.
Die Emilia-Romagna liegt östlich der bisherigen italienischen Schwerpunkte in Ligurien und der Toskana. Die Ausbreitung folgt der Po-Ebene nach Osten — dieselbe Bewegung, die im Tessin und in Graubünden beobachtet wird. RSI berichtete am 16. Juni, das Tessin sehe sich vom Japankäfer bis zur Vespa velutina „unter Belagerung".
Gijón: über 1.200 Königinnen im Mai
Am 18. Juni meldete La Voz de Asturias, Gijón habe im Monat Mai mehr als 1.200 Königinnen gefangen.
Die Zahl steht in einer Reihe mit den 280 aus Valls in zehn Tagen und den 12.000 aus der Haute-Loire über die ganze Saison. Sie beschreibt die Größenordnung in einem etablierten Befallsgebiet — und zugleich die Grenze des Verfahrens: Wo so viele Gründerinnen unterwegs sind, verhindert das Fangen keine Ansiedlung mehr, sondern dämpft nur die Zahl der Völker.
Omroep Lekstroom meldete am 20. Juni aus den Niederlanden eine Erwartung, die diesen Sommer prägen dürfte: „Dieses Jahr erwarten wir fünfmal so viele Nester." Der Lancashire Telegraph warnte am 16. Juni britische Gärtner, die Sichtungen stiegen weiter. Die Präfektur der Haute-Loire veröffentlichte am 17. Juni ihre Handreichung, ladepeche.fr berichtete am 19. Juni aus Laroque-d'Olmes, die Art gewinne an Boden.
Die Woche in Zahlen
| Kennzahl | Wert |
| Sichtungen europaweit | 224 |
| davon in Deutschland | 22 |
| Veränderung zur Vorwoche | +37 Prozent (164) |
| Presseberichte ausgewertet | 14 aus 6 Ländern |
| eigene Nutzermeldungen | 0 |
Quellen: eigene Sichtungsdatenbank (Stand der jeweiligen Woche), GBIF, iNaturalist und Observation.org sowie öffentlich zugängliche Nachrichtenquellen in sieben Sprachen. Verlinkt und zitiert wird jeweils das Original; wir geben wieder, was dort berichtet wurde.