Eine französische Redaktion geht in dieser Woche der Frage nach, wie alles anfing: mit einer einzelnen Warenlieferung im Jahr 2004. In Galicien wird ein neues Verfahren erprobt, das Nester mit Radiowellen unschädlich machen soll. Mallorca meldet das erste Nest des Jahres, und aus Portugal kommt die Nachricht, die Art sei nun „im ganzen Land" verbreitet.
Teil 1 — Die Woche
Wie eine Lieferung eine Invasion auslöste
Am 8. Juni fragte Slate.fr, wie eine einfache Lieferung die Invasion des Frelon asiatique in Frankreich habe auslösen können.
Der Vorgang gilt als gut belegt: 2004 gelangte die Art vermutlich mit einer Lieferung von Töpferwaren aus China in die Region Lot-et-Garonne im Südwesten Frankreichs. Genetische Untersuchungen deuten darauf hin, dass die gesamte europäische Population auf sehr wenige Tiere zurückgeht — möglicherweise auf eine einzige begattete Königin. Von dort aus hat sie sich in gut zwanzig Jahren über weite Teile Westeuropas ausgebreitet, bis nach Portugal, Italien, in die Niederlande, nach Großbritannien und, wie im Mai bekannt wurde, auf die Kanaren.
Der Rückblick ist mehr als eine Anekdote. Er beschreibt, wie klein der Anlass sein kann und wie wenig es braucht: ein Container, ein Tier, ein günstiger Winter. Genau darauf zielen die Kontrollen, über die Canarias7 am 14. Juni schrieb — von der Asiatischen Hornisse bis zur Afrikanischen Riesenschnecke überwachen die Kanaren die Ankunft neuer Arten.
Radiowellen gegen Nester
Am 11. Juni meldete der Faro de Vigo, im galicischen A Estrada werde Radiofrequenz gegen Nester der Vespa velutina eingesetzt.
Das Verfahren zielt auf dasselbe Problem wie die Aktivkohle-Arbeit aus dem Frühjahr: Nester hängen hoch, Insektizide sind vielerorts nicht zugelassen. Wird ein Nest von außen so weit erhitzt, dass die Brut abstirbt, entfällt beides. Zur Wirksamkeit liegen uns keine belastbaren Zahlen vor; die Meldung nennt keine.
Verfahren zur Nestortung im Überblick
Mallorca: 22 Tiere, erstes Nest des Jahres
Am 10. Juni meldeten die balearische Landesregierung über caib.es, die Ultima Hora und am 11. Juni Estrella Digital, auf Mallorca seien 22 Exemplare gefangen und das erste Nest des Jahres entfernt worden; die Kontrolle werde verstärkt.
Die Balearen sind ein weiterer Inselfall — mit dem Unterschied, dass die Art dort seit Jahren vorkommt. Genau von dort stammen zwei der Arbeiten, über die wir in diesem Jahr berichtet haben: die Auswertung der Sterbedaten und die Untersuchung der Darmflora aus sieben Nestern.
Am 12. Juni fasste La Razón zusammen, die Art erobere die Halbinsel und sei nun auf die Kanaren übergesprungen.
Portugal: „im ganzen Land"
Am 13. Juni schrieb der Portugal Resident, die Plage sei nun „in ganz Portugal" präsent. Zwei Tage später wiederholte dasselbe Blatt die Aussage.
Portugal ist damit das Land, das den Zustand vollständiger Etablierung am deutlichsten zeigt — mit mehr als 200.000 in zehn Jahren zerstörten Nestern, kommunalem Zivilschutz als zuständiger Stelle und einer Ausbreitung, die vom Norden bis in die Algarve reicht.
Freiwillige halten durch
Am 8. Juni schrieb Midi Libre, die Freiwilligen ließen in ihren Bemühungen nicht nach. Am 10. Juni meldete Ouest-France aus La Barre-de-Monts an der Vendée-Küste, die Gemeinde kämpfe. In den Niederlanden rief der Bienenzuchtverein IJsselstein laut Zenderstreeknieuws am 8. Juni zum Melden auf.
Die Beharrlichkeit ist der eigentliche Befund. Nach zwanzig Jahren ist die Bekämpfung in Frankreich keine Kampagne mehr, sondern eine Gewohnheit — getragen von Ehrenamtlichen, die jedes Frühjahr wieder anfangen.
Zur Zahl dieser Woche
164 Sichtungen europaweit, 12 in Deutschland. Es ist das jahreszeitliche Tief zwischen dem Flug der Gründerinnen im Frühjahr und dem Wachstum der Völker im Sommer. Die Zahlen steigen ab Juli wieder, wenn die Arbeiterinnen zahlreich werden.
Die Woche in Zahlen
| Kennzahl | Wert |
| Sichtungen europaweit | 164 |
| davon in Deutschland | 12 |
| Veränderung zur Vorwoche | −46 Prozent (304) |
| Presseberichte ausgewertet | 17 aus 5 Ländern |
| eigene Nutzermeldungen | 0 |
Quellen: eigene Sichtungsdatenbank (Stand der jeweiligen Woche), GBIF, iNaturalist und Observation.org sowie öffentlich zugängliche Nachrichtenquellen in sieben Sprachen. Verlinkt und zitiert wird jeweils das Original; wir geben wieder, was dort berichtet wurde.