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Wochenrückblick · 2026, Kalenderwoche 22

Ein zweites Nest an einer Schule in Las Palmas — und 256 Sichtungen in Deutschland

Wochenrückblick 25. bis 31. Mai 2026 (KW 22)

Eine Woche nach dem Erstnachweis auf Gran Canaria wurde dort ein zweites Nest gefunden — auf dem Gelände einer Schule mitten in Las Palmas. Damit ist die Hoffnung auf einen einzelnen eingeschleppten Fall dahin. In Deutschland steigt die Zahl der Sichtungen auf 256, den zweithöchsten Wochenwert des Jahres. In Barcelos kamen Fachleute aus mehreren Ländern zusammen, und der Telegraph verknüpft die Ausbreitung mit den Hitzewellen.

Teil 1 — Die Woche

Gran Canaria: das zweite Nest steht an einer Schule

Am 28. und 29. Mai meldeten elDiario.es und antena3.com, im Instituto Isabel de España in Las Palmas de Gran Canaria sei ein zweites Nest der Avispa asiática aufgetaucht.

Der Fund ändert die Lage. Ein einzelnes Nest lässt sich als eingeschleppter Einzelfall deuten — zwei Nester in einer Stadt bedeuten, dass mindestens zwei Gründerinnen unabhängig voneinander ein Volk angelegt haben. Entweder kam mehr als ein Tier an, oder es gab bereits im Vorjahr ein unentdecktes Volk, aus dem im Herbst Jungköniginnen hervorgingen. Beides verlangt eine flächige Suche statt einer punktuellen Beseitigung.

Am 25. Mai hatte Canarias7 von einer Flut von Hinweisen berichtet und die Einschätzung zitiert, man glaube „zu 99 Prozent", die Königin sei gefangen worden. Diese Zuversicht hat der zweite Fund drei Tage später eingeholt.

Der Ort verdient Beachtung: ein Schulgelände. Vespa velutina ist nicht angriffslustig, solange man ihr Nest nicht stört — aber ein Nest in Reichweite von Schülern ist ein anderer Sachverhalt als eines im Kronenraum eines Auwalds. Am 26. Mai zitierte La Provincia die kanarischen Imker mit den Worten „Estamos rezando" — wir beten. Eldía und La Provincia veröffentlichten am selben Tag Bestimmungshilfen und Antworten auf die Frage, welche Risiken bestehen.

256 Sichtungen in Deutschland

Unsere Datenbank verzeichnet 256 deutsche Sichtungen in dieser Woche, nach 65 in der Vorwoche. Es ist der zweithöchste Wochenwert des Jahres nach den 357 in der Kalenderwoche 16.

Auffällig ist, dass in derselben Woche kein einziger deutscher Pressebericht in unserer Auswertung erscheint. Der Anstieg entsteht also nicht durch Berichterstattung, die zum Hinschauen anregt, sondern aus Beobachtungsplattformen. Ende Mai fliegen die ersten Arbeiterinnen — kleinere Tiere als die Gründerinnen, dafür in Zahl und tagsüber unterwegs. Das ist der Zeitpunkt, an dem eine Region merkt, dass sie ein Vorkommen hat.

Zur Live-Karte der europäischen Sichtungen

Barcelos: Fachleute beraten über die Ausbreitung

Am 27. Mai meldeten das Município de Barcelos und der Correio do Minho, im Cávado-Tal hätten sich nationale und internationale Fachleute zu einem Seminar über die Vespa velutina getroffen und über die Ausbreitung beraten.

Barcelos liegt im Norden Portugals, in einer der am längsten und stärksten betroffenen Regionen Europas. Dort Fachleute zusammenzuholen, heißt, die Erfahrung dorthin zu tragen, wo sie gebraucht wird — die Umkehrung dessen, was sonst geschieht, wenn Konferenzen in Hauptstädten stattfinden.

Frankreich: die Bekämpfung wandert ins Rathaus

Am 26. Mai schrieb Midi Libre, der Kampf gegen den Frelon asiatique organisiere sich im Rathaus. Die Services de l'État en région veröffentlichten am 27. Mai eine Handreichung, die Präfektur Meurthe-et-Moselle am 29. Mai ihre Seite.

Der Weg vom nationalen Plan im März über den Hilfsfonds im April bis zur Zuständigkeit der Gemeinde im Mai zeigt, wie eine Verwaltungsaufgabe entsteht: Beschluss oben, Geld in der Mitte, Arbeit unten.

Hitzewellen als Treiber

Am 31. Mai schrieb The Telegraph, Hitzewellen befeuerten die Invasion der Asiatischen Hornisse. Zwei Wochen zuvor hatte Le Monde dieselbe Verknüpfung hergestellt.

Der Zusammenhang ist plausibel und in Teilen belegt: Milde Winter erhöhen die Überlebensrate überwinternder Gründerinnen, warme Frühjahre verlängern die Wachstumszeit eines Volkes. Was daraus für eine einzelne Saison folgt, lässt sich allerdings erst im Nachhinein sagen — die Zahl der Nester im September ist der Prüfstein, nicht die Temperatur im Mai.

In den Niederlanden trug Heusden.nieuws.nl am 25. Mai die Umbenennung zur geelpoothoornaar nach, Omroep Zout fragte am 26. Mai, was sich tun lässt.

Die Woche in Zahlen

KennzahlWert
Sichtungen europaweit1.272
davon in Deutschland256
Veränderung zur Vorwoche−28 Prozent (1.763)
Presseberichte ausgewertet14 aus 5 Ländern
eigene Nutzermeldungen0

Quellen: eigene Sichtungsdatenbank (Stand der jeweiligen Woche), GBIF, iNaturalist und Observation.org sowie öffentlich zugängliche Nachrichtenquellen in sieben Sprachen. Verlinkt und zitiert wird jeweils das Original; wir geben wieder, was dort berichtet wurde.

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