Diese Woche wurde Geld beschlossen. Frankreich legt einen Hilfsfonds über drei Millionen Euro auf, den der Umweltminister im Elsass eröffnete. Nordrhein-Westfalen zahlt Imkern künftig bis zu 300 Euro dafür, Nester aufzuspüren. Aus Portugal kommt eine kostenlose Meldeplattform, aus der Bretagne die Einschätzung eines Berufsimkers, die Schäden des Vorjahres seien katastrophal gewesen. Und eine koreanische Übersichtsarbeit zählt erstmals systematisch, welche Tiere die Hornisse fressen.
Teil 1 — Die Woche
Frankreich: drei Millionen Euro, eröffnet im Elsass
Am 27. April meldeten ici.fr und franceinfo übereinstimmend, das Ministerium für den ökologischen Wandel lege einen außerordentlichen Hilfsschalter über drei Millionen Euro auf; der Minister habe für die Eröffnung das Elsass gewählt. Am 1. Mai griff franceinfo die Summe erneut auf, The Connexion berichtete am 30. April für ein englischsprachiges Publikum darüber.
Die Wahl des Elsass ist bemerkenswert. Es ist nicht die am längsten befallene Region — das sind Aquitanien und die Bretagne —, sondern jene Region an der deutschen Grenze, in der die Ausbreitung nach Osten stattfindet. Wer dort eröffnet, setzt ein Zeichen in Richtung Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.
Drei Millionen Euro sind, gemessen an der Aufgabe, eine überschaubare Summe: Bei angenommenen 300 Euro je Nestentfernung reicht sie rechnerisch für 10.000 Nester. Frankreich hat davon ein Vielfaches. Der Fonds ist damit eher ein Anstoß als eine Finanzierung.
L'Ami hebdo schrieb am 27. April, der Kampf organisiere sich. Die Services de l'État dans les Vosges meldeten am 29. April ihre Umsetzung, Sud Ouest berichtete am 28. April aus dem Baskenland, dort hätten Gemeinden Ansprechpartner benannt, um Nester besser aufzuspüren. Die Ville de Pontivy kündigte für den 7. Mai eine weitere kostenlose Fallenausgabe an.
Nordrhein-Westfalen zahlt Imkern für die Nestsuche
Am 3. Mai berichtete der WDR unter der Überschrift „Bis zu 300 Euro Prämie: Warum NRW jetzt Imker für die Jagd auf Asiatische Hornissen bezahlt".
Der Ansatz unterscheidet sich von dem luxemburgischen und dem baden-württembergischen: Dort wird die Beseitigung eines gefundenen Nests bezuschusst, hier wird das Finden vergütet. Das ist folgerichtig, denn das Finden ist der Engpass. Ein Nest hängt im belaubten Kronenraum und ist von unten kaum zu sehen; wer es aufspürt, verfolgt Flugrichtungen über Stunden. Imkerinnen und Imker bringen dafür die Voraussetzung mit — sie erkennen die Tiere und wissen, wie man einer Flugrichtung folgt.
Verfahren zur Nestortung im Überblick
„Katastrophale" Schäden in der Bretagne
Am 29. April zitierte ici.fr den Berufsimker Gwenaël Delamarche aus der Bretagne mit der Einschätzung, die Schäden des Jahres 2025 seien „katastrophal" gewesen. Am 1. Mai berichtete dieselbe Redaktion, in der Manche beziehe der Frelon asiatique sein Quartier am Meer und in den Städten.
Diese beiden Meldungen zusammen beschreiben die französische Lage: ein Berufsstand, der Verluste hinnimmt, und eine Art, die nicht mehr nur ländliche Räume besetzt. Der Befund zur Stadt deckt sich mit jener spanischen Untersuchung aus A Coruña, die im Februar gezeigt hatte, dass städtische Bedingungen die Art nicht bremsen.
Portugal baut eine Meldeplattform
Am 29. April meldete Sul Informação, ein Algarvio habe eine kostenlose Online-Plattform geschaffen, über die sich Nester melden lassen. Am 2. Mai stellte Tek Notícias sie unter dem Namen vespas.pt vor: einfach und übersichtlich solle sie sein.
Bemerkenswert ist die Herkunft — keine Behörde, sondern eine Privatperson. Am 27. April hatte das Jornal Opinião Pública gemeldet, der Zivilschutz von Famalicão verstärke den Kampf mit 200 im Kreis verteilten Fallen.
Eine Falle auf einem Marmeladenglas
Am 28. April stellte NeozOne eine neue Falle vor: selektiv, kostenlos und auf ein Marmeladenglas aufsetzbar.
Der Punkt ist die Selektivität. Sieben Wochen zuvor hatte eine portugiesische Arbeitsgruppe gemessen, dass in gewöhnlichen Köderfallen über 98,5 Prozent der gefangenen Insekten keine Vespa velutina sind. Eine Bauart, die kleineren Insekten den Ausweg lässt und nur die großen zurückhält, ist die technische Antwort darauf. Ob die vorgestellte Falle das leistet, geht aus der Meldung nicht hervor.
Jersey: die ersten Arbeiterinnen des Jahres
Am 1. Mai meldete die BBC, in einem versteckten Nest auf Jersey seien die ersten Arbeiterinnen des Jahres 2026 gefunden worden. Damit ist auf den Kanalinseln der Übergang vollzogen: Die Gründerin hat ihre erste Brut aufgezogen, das Volk beginnt zu wachsen. Ab jetzt fliegen nicht mehr einzelne Königinnen, sondern Arbeiterinnen — und die Zahl der Sichtungen steigt entsprechend.
Die Gemeente Purmerend stellte am 1. Mai eine Informationsseite online, La Vanguardia schrieb am 3. Mai über die „unaufhaltsame Invasion", die das Überleben der Bienen gefährde.
Zur Zahl dieser Woche
Wie in der Vorwoche fehlen auch hier die Daten von GBIF vollständig. Die ausgewiesenen 125 Sichtungen stammen allein von iNaturalist und sind mit anderen Wochen nicht vergleichbar.
Teil 2 — Aus der Forschung
17 Tiere, die die Asiatische Hornisse fressen
Jaehee Kim, Jeong-Ok Ha, Hong-gu Kang, Chang-Jun Kim und Moon Bo Choi: „A systematic review of predators of the invasive hornet Vespa velutina and newly confirmed predation records from South Korea". Journal of Hymenoptera Research, 29. April 2026. DOI 10.3897/jhr.99.186607 — frei zugänglich.
Bisher war das Wissen über Fressfeinde verstreut: einzelne Beobachtungen, einzelne Regionen. Diese Arbeit trägt erstmals alles zusammen, was weltweit belegt ist, und ergänzt eigene Nachweise aus Südkorea der Jahre 2023 bis 2025 — aus Feldbeobachtungen, Kotanalysen, Winterkontrollen an Nestern und ausgewertetem Filmmaterial.
Das Ergebnis: 17 Räubergruppen aus vier Klassen, sieben Ordnungen und elf Familien. Die Autoren unterscheiden drei Arten des Zugriffs. Erstens der Gelegenheitsfang einzelner Tiere außerhalb des Nests. Zweitens der Angriff auf das ganze Volk, bei dem das Nest zerstört und die Brut entnommen wird. Drittens das Eindringen in geschwächte Nester nach dem Ende der Saison.
Als Säugetier wurde über Kotanalysen ein Dachs (Meles leucurus) bestätigt. Filmaufnahmen zeigten einen Wespenbussard (Pernis ptilorhynchus), der Nester angriff und die freigelegte Brut fraß. Im Winter öffneten häufig Spechte die Nester; Braunohrbülbüls (Hypsipetes amaurotis) brachen die Nesthülle auf und fraßen die Brut, im ländlichen wie im städtischen Raum.
Die Autoren betonen zugleich die Grenze ihres Befunds: Die Wirkung der Räuber sei örtlich und von den Umständen abhängig.
Was das für uns heißt: Der Wespenbussard ist auch in Deutschland heimisch und ernährt sich von Wespen- und Hornissenbrut — die Beobachtung ist also grundsätzlich übertragbar. Die Erwartung, ein Fressfeind könne die Ausbreitung aufhalten, dämpft die Arbeit allerdings: Gelegentliche Räuberei begrenzt keine Population. Bemerkenswert ist der dritte Zugriffsmodus: Spechte und andere Vögel öffnen im Winter die verlassenen Nester. Wer im Winter ein aufgebrochenes Nest findet, hat es also nicht zwingend mit menschlicher Einwirkung zu tun.
Die Woche in Zahlen
| Kennzahl | Wert |
| Sichtungen europaweit | 125 — nicht vergleichbar, siehe Hinweis |
| davon in Deutschland | 32 — nicht vergleichbar, siehe Hinweis |
| Veränderung zur Vorwoche | nicht ausweisbar |
| Presseberichte ausgewertet | 18 aus 6 Ländern |
| Fachveröffentlichungen | 1 |
| eigene Nutzermeldungen | 0 |
Hinweis zur Datengrundlage: Auch in dieser Woche fehlen die Meldungen von GBIF vollständig; es liegen allein die Daten von iNaturalist vor. Die Sichtungszahl ist deshalb nicht mit anderen Wochen vergleichbar.
Quellen: eigene Sichtungsdatenbank (Stand der jeweiligen Woche), GBIF, iNaturalist und Observation.org sowie öffentlich zugängliche Nachrichtenquellen in sieben Sprachen. Fachveröffentlichungen über Crossref und OpenAlex. Verlinkt und zitiert wird jeweils das Original; wir geben wieder, was dort berichtet wurde.