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Wochenrückblick · 2026, Kalenderwoche 15

331 Sichtungen in Deutschland — und Aktivkohle besteht die Begutachtung

Wochenrückblick 6. bis 12. April 2026 (KW 15)

Der deutsche Wochenwert springt auf 331 Sichtungen, den höchsten Stand des Jahres. Europaweit sind es 2.211, ein Plus von 168 Prozent. In derselben Woche erschien die Arbeit über Aktivkohle als Ersatz für Insektizide in einer begutachteten Fachzeitschrift — sechs Wochen nach der Vorabveröffentlichung. Aus Wales wurde eine Fangoperation gemeldet, aus Luxemburg eine Prämie von bis zu 300 Euro je beseitigtem Nest.

Teil 1 — Die Woche

Der deutsche Rekordwert

331 Sichtungen in Deutschland in einer Woche: Das ist mehr als das Fünffache des Vorjahreswerts zur gleichen Zeit und der höchste Wert, den unsere Datenbank für eine deutsche Aprilwoche verzeichnet. Europaweit liegt der Wert bei 2.211.

Zur Einordnung gehört, dass Sichtungszahlen nicht nur Tiere abbilden, sondern auch Aufmerksamkeit. In einer Woche, in der die Fachpresse über die ersten Königinnen berichtet, schauen mehr Menschen hin und melden mehr. Genau diesen Beobachtungsfehler hat eine koreanische Arbeitsgruppe eine Woche zuvor beschrieben. Der Anstieg ist deshalb ein Signal, kein Messwert — belastbar wird er erst im Vergleich mit den Folgewochen.

Zur Live-Karte der europäischen Sichtungen

Wales: aus dem Einzelfund wird eine Operation

Drei Meldungen vom 12. April zeichnen nach, was auf den Erstfund vom Januar folgte. Die BBC meldete, in der Nähe von Wrexham würden Fallen aufgestellt, um Honigbienen zu schützen. Wales Online sprach von einer „Operation", die die Invasion stoppen solle. North Wales Live berichtete, das Fangen in Nordwales könne auf eine „outbreak response" umgestellt werden — auf die Reaktion auf einen Ausbruch.

Diese Wortwahl ist in der britischen Systematik nicht beliebig. Sie markiert den Übergang von der Überwachung eines Verdachtsfalls zur organisierten Antwort auf ein bestätigtes Vorkommen — mit anderen Zuständigkeiten und anderem Mitteleinsatz.

Am 7. April meldete die BBC, die Sichtungen auf Sark, einer der kleineren Kanalinseln, lägen „früher als je zuvor". Und am 9. April veröffentlichte sie eine Bestimmungshilfe zum Unterschied zwischen Asiatischen Hornissen, Wespen und Motten — die praktische Antwort auf die Fehlbestimmungen, die jede Meldekampagne begleiten.

Beide Hornissenarten sicher unterscheiden

Luxemburg zahlt bis zu 300 Euro je Nest

Am 8. April meldete contacto.lu, Luxemburg biete bis zu 300 Euro für die Beseitigung eines Nests. Die Zahl ist eine der wenigen konkreten Angaben zu den Kosten, die in unserer Auswertung auftauchen.

Sie erklärt zugleich, warum die Kostenfrage in mehreren Ländern verhandelt wird: Ein Nest im Kronenraum verlangt eine Hubarbeitsbühne und geschultes Personal. Wer diesen Betrag nicht erstattet, verlagert ihn auf den Grundstückseigentümer — und riskiert, dass Nester unentdeckt bleiben, weil niemand meldet, was er anschließend selbst bezahlen muss.

Portugal: Vinhais stellt 400 Fallen

Aus Portugal kamen vier Meldungen. Am 6. April meldete O Mirante verstärkte Anstrengungen in Arruda dos Vinhos. Am 10. und 12. April berichteten das Jornal Nordeste und der Diário de Trás-os-Montes e Alto Douro über die Gemeinde Vinhais, die wegen zunehmender Sichtungen 400 Fallen installiert.

Vinhais liegt im äußersten Nordosten Portugals an der spanischen Grenze und hat rund 8.000 Einwohner. 400 Fallen bedeuten dort eine Falle je zwanzig Einwohner — eine Dichte, die den Charakter der Aufgabe zeigt.

Les services de l'État dans les Vosges meldeten am 8. April den Start des nationalen Plans in ihrem Département, und die baskische Gemeinde Tolosa setzte am 9. April ihre jährliche Fangkampagne in Gang.

Teil 2 — Aus der Forschung

Aktivkohle: jetzt begutachtet veröffentlicht

Andreas W. M. Presuhn und Uli Ernst: „Activated Charcoal: A Highly Potent Legal Alternative for Vespa velutina Nest Destruction". Insects, 9. April 2026. DOI 10.3390/insects17040407 — frei zugänglich.

Die Arbeit, über die wir im Wochenbericht der Kalenderwoche 9 als Vorabveröffentlichung berichtet haben, ist nun in der begutachteten Fachzeitschrift Insects erschienen. Die Zahlen sind unverändert: In 145 Nester wurden 50 bis 100 Gramm Aktivkohle eingebracht; eine Woche später hatten überlebende Arbeiterinnen in drei Fällen ein Notnest errichtet, also in 2,1 Prozent. Bei der zum Vergleich herangezogenen Insektizidbehandlung waren es zwei von 136 Fällen, 1,5 Prozent.

Was das für uns heißt: Der Einwand, den wir im März formuliert haben — noch nicht von Fachkollegen geprüft — ist damit ausgeräumt. Der praktische Kern bleibt: Aktivkohle wirkt nach diesen Daten so zuverlässig wie ein Insektizid, ist rechtlich in Europa anwendbar und für den Anwender ungefährlicher. Die Nestbehandlung bleibt Sache der dafür ausgebildeten Stellen; für diese verschiebt sich mit dieser Arbeit die Mittelfrage.

Verfahren zur Nestortung im Überblick

Eine Verwandte bedroht Hummeln im Himalaya

Rifat Hussain Raina, Ishfaq Majeed Shah, Preeti Choudhary und Indu Sharma: „Predatory threat to Himalayan bumblebees: Vespa velutina auraria and its impact on Bombus albopleuralis". Current Science, 10. April 2026. DOI 10.18520/cs/v130/i7/655-659 — frei zugänglich.

Zu dieser Arbeit liegt keine Zusammenfassung in den Literaturdatenbanken vor; wir geben deshalb nur wieder, was der Titel und die Fundstelle hergeben. Untersucht wird der Räuberdruck von Vespa velutina auraria auf die Hummelart Bombus albopleuralis im Himalaya.

Was das für uns heißt: Der Hinweis ist trotzdem festzuhalten, weil er einen blinden Fleck der europäischen Debatte berührt. Diese wird fast ausschließlich über Honigbienen geführt — die Art jagt jedoch ein breites Beutespektrum. Vespa velutina auraria ist eine andere Unterart als die in Europa eingeschleppte nigrithorax, der Befund lässt sich also nicht übertragen. Er zeigt aber, wonach in Europa noch kaum gesucht wird: nach Wirkungen auf Wildbienen und Hummeln.

Die Woche in Zahlen

KennzahlWert
Sichtungen europaweit2.211
davon in Deutschland331
Veränderung zur Vorwoche+168 Prozent (825)
Presseberichte ausgewertet11 aus 4 Ländern
Fachveröffentlichungen2
eigene Nutzermeldungen0

Quellen: eigene Sichtungsdatenbank (Stand der jeweiligen Woche), GBIF, iNaturalist und Observation.org sowie öffentlich zugängliche Nachrichtenquellen in sieben Sprachen. Fachveröffentlichungen über Crossref und OpenAlex. Verlinkt und zitiert wird jeweils das Original; wir geben wieder, was dort berichtet wurde.

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