Zwei Zahlen prägen diese Woche. Portugal hat bilanziert, dass im vergangenen Jahrzehnt mehr als 200.000 Nester zerstört wurden. Und Frankreich hat seinen nationalen Plan offiziell gestartet. Dazu kommen zwei Fachveröffentlichungen: eine koreanische Arbeit, die zeigt, wie sich aus lückenhaften Meldedaten belastbare Prioritäten ableiten lassen, und eine italienische, die genetische Marker zur sicheren Artunterscheidung entwickelt. 825 Sichtungen, 60 davon in Deutschland.
Teil 1 — Die Woche
Portugal: mehr als 200.000 zerstörte Nester
Am 30. März veröffentlichte der Correio da Manhã zwei Beiträge: einen zur Zahl der jährlich zerstörten Nester im vergangenen Jahrzehnt und einen mit der Gesamtsumme — mehr als 200.000 zerstörte Nester in Portugal.
Diese Zahl verdient eine Einordnung. Portugal hat rund 92.000 Quadratkilometer, ein Viertel der Fläche Deutschlands. 200.000 Nester in zehn Jahren bedeuten im Mittel 20.000 im Jahr, also etwa ein zerstörtes Nest je fünf Quadratkilometer und Jahr — gleichmäßig verteilt gerechnet, was der Realität nicht entspricht, weil der Norden weit stärker betroffen ist als der Süden.
Zum Vergleich: In der Toskana waren es in der Saison 2025 rund 1.300 Nester, in der portugiesischen Gemeinde Vila Verde allein 638. Was diese Zahlen zeigen, ist der Zustand nach vollständiger Etablierung. Die Bekämpfung endet dort nicht, sie wird zur Daueraufgabe mit jährlichem Budget.
Am 31. März meldete derselbe Titel, die Gemeinde Mealhada installiere „ökologische Fallen" — ein Hinweis darauf, dass auch in stark betroffenen Gebieten die Frage der Selektivität inzwischen mitverhandelt wird. Drei Wochen zuvor hatte eine portugiesische Arbeitsgruppe gezeigt, dass in gewöhnlichen Köderfallen über 98 Prozent der Fänge andere Insekten sind.
Der französische Plan ist gestartet
Am 1. April meldete die Banque des Territoires den offiziellen Start des nationalen Bekämpfungsplans. Die Services de l'État dans l'Oise veröffentlichten am 3. April die Umsetzung für ihr Département, Savoie.fr rief am selben Tag zum Handeln auf. Bereits am 30. März hatte metz.fr gemeldet, in Metz seien 130 Fallen aufgestellt worden.
Ebenfalls am 30. März stellte The Connexion eine Frage, die in der Praxis über die Beteiligung entscheidet: Werden Fallen in Frankreich erstattet? Wer Bürger zum Mitmachen bewegen will, muss die Kostenfrage klären — eine Falle kostet Geld, und die Fläche, die abgedeckt werden muss, gehört überwiegend Privatleuten.
Guernsey: früher als in jedem anderen Jahr
Am 4. April meldete die BBC, die Sichtungen auf Guernsey lägen „früher als in jedem anderen Jahr". Am 30. März hatte der Portugal Resident Nestfunde in der Algarve gemeldet — also im Süden Portugals, der bisher weniger betroffen war als der Norden.
Beide Meldungen deuten in dieselbe Richtung: Die Saison beginnt früher, und die Randgebiete füllen sich auf. Ob der frühe Beginn auf die Witterung dieses Frühjahrs zurückgeht oder auf eine dichter werdende Population, lässt sich aus einer einzelnen Saison nicht beantworten.
Die Niederlande sammeln Meldungen
Am 1. April riefen Elna und Contact Zutphen-Warnsveld wortgleich zur Mithilfe bei der Bekämpfung auf, am 3. April bat die Gemeente Nuenen um Meldungen. Informazione Ambiente erklärte am 1. April, wie man versteckte Nester im Frühjahr aufspürt.
Nachdem die Provinz Utrecht drei Wochen zuvor die vollständige Tilgung aufgegeben hatte, verschiebt sich die niederländische Aufgabe erkennbar: weg von der zentralen Beseitigung, hin zur flächendeckenden Meldung durch Bürger.
Teil 2 — Aus der Forschung
Aus lückenhaften Meldedaten belastbare Prioritäten machen
Sealki Son, Moon Bo Choi, Seung-Su Euo, Il-Kwon Kim und Chang-Jun Kim: „Process-aware prioritization of Vespa velutina management under observation bias control". Journal of Applied Ecology, 1. April 2026. DOI 10.1111/1365-2664.70352.
Die Arbeit greift ein Problem auf, das jedes Meldesystem hat: Wo viele Menschen wohnen und aufmerksam sind, kommen viele Meldungen an — nicht weil dort mehr Tiere sind, sondern weil dort mehr geschaut wird. Wer aus solchen Daten eine Karte macht, bildet die Aufmerksamkeit ab, nicht die Verbreitung. Risikokarten übersehen diesen Beobachtungsfehler regelmäßig.
Die koreanische Gruppe hat zwischen 2019 und 2023 mit standardisierten Lockfallen 46.813 Tiere aus acht Vespa-Arten in 92 Rasterzellen erfasst. Aus diesen Daten entwickelte sie ein Verfahren, das drei Dinge zusammenführt: einen Index für den Konkurrenzdruck zwischen den Arten, ein statistisches Modell, das den unterschiedlichen Erfassungsaufwand herausrechnet, und ein Modell der jahreszeitlichen Volksentwicklung.
Zwei Ergebnisse sind für Europa von Belang. Erstens: Vespa velutina hatte in Korea gegenüber den heimischen Arten Vespa mandarinia, Vespa dybowskii und Vespa ducalis den geringsten Konkurrenzvorteil — die einheimische Konkurrenz bremst sie dort, anders als in Europa, wo es keine vergleichbaren Arten gibt. Zweitens: Budgetgebundene Pläne verringerten die Häufigkeit gegenüber dem Ausgangswert um rund 50 Prozent. Die entscheidende Stellgröße war dabei die Begegnungsrate, nicht die Lebensdaten der Art.
Was das für uns heißt: Das Verfahren beantwortet die Frage, die jede Behörde mit begrenztem Budget stellen muss — wo soll gehandelt werden und wie stark? Für die Übertragung nach Europa ist der Konkurrenzbefund wichtig: Hier fehlen die großen heimischen Vespa-Arten, die in Korea Gegendruck erzeugen. Und für unsere eigene Karte gilt die Mahnung unmittelbar: Eine Häufung von Meldungen ist zunächst eine Häufung von Meldungen.
Genetische Marker, um drei Arten sicher zu trennen
Società Italiana di Biologia Sperimentale: „Genetic studies to investigate the taxonomic issues of Vespa velutina and Vespa orientalis, expanding in Italian urban and agricultural areas". Journal of Biological Research, 31. März 2026. DOI 10.4081/jbr.2026.15390 — frei zugänglich.
Italien hat ein Problem, das Deutschland bislang nicht hat: Neben der eingeschleppten Vespa velutina breitet sich dort auch die Orientalische Hornisse Vespa orientalis aus, die historisch in Süditalien vorkam und inzwischen nach Norden bis Triest vorgedrungen ist. Zusammen mit der heimischen Europäischen Hornisse Vespa crabro sind damit drei große Hornissenarten im selben Raum unterwegs.
Die Arbeitsgruppe entwickelt molekulare Marker, mit denen sich die drei Arten sicher unterscheiden lassen, und nutzt mitochondriale DNA, um die Einwanderungswege nachzuzeichnen — wie viele Einschleppungsereignisse es gab und ob die Populationen genetische Engpässe durchlaufen haben. Zusätzlich prüft sie, ob bestimmte Erbanlagen mit stärkerer Nähe zum Menschen einhergehen; beide invasiven Arten nisten in Bauwerken und nutzen städtische Speisereste.
Was das für uns heißt: Der praktische Kern ist die sichere Bestimmung. Solange Arten am Aussehen unterschieden werden, entscheidet die Erfahrung des Betrachters — und Verwechslungen mit der geschützten Vespa crabro sind der häufigste Grund für die Zerstörung heimischer Nester. Ein molekularer Nachweis liefert für Zweifelsfälle ein belastbares Ergebnis. Für Deutschland ist die Arbeit außerdem ein Vorgriff: Vespa orientalis ist hier noch nicht etabliert, breitet sich in Italien aber nach Norden aus.
Die Woche in Zahlen
| Kennzahl | Wert |
| Sichtungen europaweit | 825 |
| davon in Deutschland | 60 |
| Veränderung zur Vorwoche | −25 Prozent (1.093) |
| Presseberichte ausgewertet | 14 aus 5 Ländern |
| Fachveröffentlichungen | 2 |
| eigene Nutzermeldungen | 0 |
Quellen: eigene Sichtungsdatenbank (Stand der jeweiligen Woche), GBIF, iNaturalist und Observation.org sowie öffentlich zugängliche Nachrichtenquellen in sieben Sprachen. Fachveröffentlichungen über Crossref und OpenAlex. Verlinkt und zitiert wird jeweils das Original; wir geben wieder, was dort berichtet wurde.