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Wochenrückblick · 2026, Kalenderwoche 01

Zehn Jahre Notaufnahme-Daten aus Frankreich — und eine heimische Motte entdeckt die Nester

Wochenrückblick 29. Dezember 2025 bis 4. Januar 2026 (KW 1)

Das Jahr beginnt mit zwei Arbeiten, die grundsätzliche Fragen beantworten. Eine französische Auswertung von 179.141 Notaufnahmebesuchen über zehn Jahre findet keinen Anstieg der Stichfälle, seit sich die Asiatische Hornisse im Land ausgebreitet hat. Und aus Flandern kommt der erste Nachweis, dass eine heimische Motte die Nester des Neuankömmlings für ihre eigene Brut nutzt.

Teil 1 — Die Woche

Über den Jahreswechsel ruht die Berichterstattung. greenMe fragte am 4. Januar, ob Panik vor dem Calabrone asiatico angebracht sei, und riet von bestimmten Verhaltensweisen ab, die die Lage verschlimmern können.

Unsere Datenbank verzeichnet in dieser Woche 234 Sichtungen, 10 davon in Deutschland. Es ist der Jahresstart aus dem Winterminimum — die Tiere fliegen nicht, gemeldet werden überwiegend Funde verlassener Nester, die in kahlen Bäumen sichtbar werden.

Teil 2 — Aus der Forschung

Frankreich: kein Anstieg der Stichfälle in zehn Jahren

S. Sinno-Tellier, Jérémy Hamon, L. De Haro, M. Labadie und Adrien Maillot: „Public health impact of envenomation by Vespa velutina nigrithorax and other Hymenoptera in France: A multisource study". Journal of Allergy and Hypersensitivity Diseases, 1. Januar 2026. DOI 10.1016/j.jahd.2026.100062 — frei zugänglich.

Die Arbeitsgruppe hat vier Datenquellen für die Jahre 2014 bis 2023 zusammengeführt: Anrufe bei Giftnotrufzentralen, Besuche in Notaufnahmen, Krankenhausaufnahmen und Sterbeurkunden. Erfasst wurden 6.022 Fälle der Giftnotrufzentralen und 179.141 Notaufnahmebesuche wegen Hymenopterenstichen.

Der zentrale Befund: Über den gesamten Zehnjahreszeitraum zeigte sich kein Trend nach oben oder unten — obwohl sich die Asiatische Hornisse in dieser Zeit über weite Teile Frankreichs ausgebreitet hat. Die Fälle verteilten sich gleichmäßig über das Land, mit einer deutlichen Häufung im Juli und August.

Die Aufschlüsselung der 6.022 Giftnotruf-Fälle: 37 Prozent Wespen, 25 Prozent Hornissen, 19 Prozent Honigbienen, 19 Prozent ohne nähere Angabe. Innerhalb der Hornissenfälle entfielen 28 Prozent auf die Asiatische Hornisse, 24 Prozent auf die heimische Europäische Hornisse, 48 Prozent blieben unbestimmt. Hornissen trugen das höchste Risiko einer schweren Vergiftung — bei 2,3 Prozent der Hornissenstiche. In 89 Prozent der schweren Fälle traten allergische Symptome auf.

Von 18.213 Krankenhausaufnahmen erfolgten 13 Prozent auf Intensivstationen; dieser Anteil stieg von 10 Prozent im Jahr 2014 auf 17 Prozent im Jahr 2023. Laut Sterbeurkunden starben in zehn Jahren 256 Menschen an den Folgen eines Hymenopterenstichs, davon 27 Prozent nach Hornissenstichen. Betroffen waren überwiegend Menschen über 60.

Was das für uns heißt: Diese Arbeit und die spanische Auswertung, die im März folgte, kommen unabhängig voneinander zum selben Ergebnis: Die Ausbreitung der Art hat in zwei Ländern nicht zu mehr Stichfällen oder mehr Todesfällen geführt. Der leichte Anstieg des Intensivstationsanteils ist bemerkenswert, lässt sich aus diesen Daten aber nicht der Asiatischen Hornisse zuordnen — er kann ebenso an veränderten Aufnahmekriterien liegen.

Was bleibt: 256 Todesfälle in zehn Jahren durch Hymenopterenstiche insgesamt, überwiegend bei älteren Menschen und fast immer durch eine allergische Reaktion. Wer weiß, dass er allergisch reagiert, braucht ein Notfallset — unabhängig davon, welche Art ihn sticht.

Eine heimische Motte nutzt die fremden Nester

Heleen Van Ransbeeck, Jasmijn Hillaert, Karen Cox, Tom Vrancken und Diederik Strubbe: „With a little help from the natives: a first report on a novel ecological interaction between yellow-legged hornet Vespa velutina and bumblebee wax moth Aphomia sociella". BioInvasions Records, 1. Januar 2026. DOI 10.3391/bir.2026.15.2.08 — frei zugänglich.

Eingeschleppte Arten profitieren zunächst davon, dass ihnen im neuen Gebiet die natürlichen Feinde fehlen. Mit der Zeit entdecken heimische Organismen den Neuankömmling jedoch als Ressource. Genau das beschreibt diese Arbeit erstmals für Europa.

In Flandern wurden 2024 in neun zerfallenden Primärnestern von Vespa velutina Raupen der Hummelwachsmotte Aphomia sociella gefunden. In fünf Fällen wurde die Art über DNA-Abgleich oder geschlüpfte Falter bestätigt. Die Raupen fraßen Nestmaterial und Brut — also aktiver Parasitismus. Eine räumliche Auswertung ergab, dass Motte und Hornisse in 9,1 Prozent der gemeinsamen Rasterzellen von einem Quadratkilometer im selben Jahr zusammen vorkamen.

Alle Befälle betrafen Primärnester früh in der Saison, passend zur Flugzeit der Motte. Die Autoren halten die Wirkung auf einzelne Nester für möglich, auf die Gesamtpopulation dagegen für begrenzt.

Was das für uns heißt: Der Befund ist ökologisch aufschlussreicher als praktisch nutzbar. Er zeigt, dass die heimische Tierwelt beginnt, den Neuankömmling einzugliedern — dieselbe Beobachtung, die im weiteren Jahresverlauf in Doñana bei Bienenfressern und Fröschen und in Korea bei siebzehn Räubergruppen gemacht wurde. Der Zeitpunkt ist bemerkenswert: Die Motte trifft das Primärnest im Frühjahr, also genau in der Phase, in der ein Volk am verletzlichsten ist.

Eine Hoffnung auf natürliche Regulierung begründet das nicht. Die Autoren selbst nennen die Wirkung auf die Population wahrscheinlich begrenzt.

Die Woche in Zahlen

KennzahlWert
Sichtungen europaweit234
davon in Deutschland10
Veränderung zur Vorwochenicht ausweisbar
Presseberichte ausgewertet1
Fachveröffentlichungen3
eigene Nutzermeldungen0

Hinweis zur Datengrundlage: In dieser Woche beginnt die GBIF-Datenreihe für 2026. Ein Vergleich mit der Vorwoche bildet deshalb den Beginn der Erfassung ab, keinen Anstieg der Sichtungen.

Quellen: eigene Sichtungsdatenbank (Stand der jeweiligen Woche), GBIF, iNaturalist und Observation.org sowie öffentlich zugängliche Nachrichtenquellen in sieben Sprachen. Fachveröffentlichungen über Crossref und OpenAlex. Verlinkt und zitiert wird jeweils das Original; wir geben wieder, was dort berichtet wurde.

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